Gesundheit

In Italien bricht das Apotheken Chaos aus – wieder einmal

Es sind Geschichten, wie sie eigentlich nur in Italienpassieren können: zwei Apothekerverbandspräsidenten, die ihre Apotheken an eineKette verkaufen, eine rechtspopulistische Regierung, die ein nicht einmal zweiJahre altes Apothekenketten-Gesetz zurückdrehen will und die größtenApotheken-Konzerne der Welt, die sich ungewohnt einig in einer Pressemitteilunggegen dieses Regierungsvorhaben aussprechen – und das alles in knapp zweiMonaten.

Den Anfang dieser fast unglaublichen Geschichte machte diederzeitige italienische Gesundheitsministerin Giulia Grillo Anfang Dezember miteinem Facebook-Post. Grillo gehört der europaskeptischen und populistischen Bewegung„5 Stelle“ an, die bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr stärkste Kraftwurde und seitdem gemeinsam mit der rechtspopulistischen Lega Nord eineRegierung bildet. In ihrem Facebook-Eintrag wettert Grillo gegen dieLiberalisierung des Apothekenmarktes. Zur Erklärung: Vor etwa anderthalb Jahrentrat ein Gesetz in Kraft, mit dem das Fremd- und Mehrbesitzverbot in Italienaufgehoben wurde. Seitdem dürfen Unternehmen Apotheken eröffnen und kaufen.Reguliert wird der Fremdbesitz allerdings weiterhin durch eine strikteBedarfsplanung und die Vorgabe, dass die Kettenkonzerne nicht mehr als 20Prozent Marktanteil pro Bundesland (Region) haben dürfen.

Bislang hatte sich die rechtspopulistische RegierungItaliens zum Apothekenmarkt zurückgehalten, doch in ihrem Facebook-Eintragfindet Gesundheitsministerin Grillo – für ihre Partei gewöhnlich – deutliche Worte.„Sollen wir unsere italienischen Apotheken an multinationale Konzerneverkaufen? Nein, Danke!“, heißt es dort. Und weiter: „Ich verteidige unsereApotheker, die in Italien arbeiten und Steuern zahlen.“ Grillo brachte daher einenAntrag ins Parlament ein, der die Umkehr des erst anderthalb Jahre altenKettengesetzes vorsieht. Dem Antrag zufolge soll jede Apotheke wieder zu mindestens51 Prozent einem Pharmazeuten gehören. Dies sei ein „Risiko-Hindernis“, um Italienvor der „Übermacht“ von internationalen Kapitalinvestoren zu schützen, die mitden kleinen Apotheken „aufräumen“ wollten.

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Die Antwort folgte prompt. In seltener Einigkeit schlossensich die großen Apothekenkonzerne Europas in einer Pressemitteilung zusammen,um sich über die Ministerin zu beschweren. Die Mitteilung wirkt kurios. Dennüber dem Text prangern die Firmensymbole der Konzerne, die sich in denliberalisierten Apothekenmärkten Europas im Wettbewerb bekämpfen: AllianceHealthcare (Walgreens Boots Alliance), LloydsFarmacia (McKesson, ehemalsCelesio), Admenta Italia (Phoenix) sowie die aus Osteuropa bekannte Kette Dr.Max und die neu gegründete italienische Kette „Hippocrates“.

In der Mitteilung bitten die Konzerne um ein „dringendesTreffen“ mit der Regierung. Denn: Der von Grillo beworbene Antrag stelle eine „gravierendeBehinderung“ der bereits im Apothekensektor getätigten Investitionen dar. DieKonzerne erinnern daran, dass die Vorgängerregierung und das Parlament denMarkt erst im Frühherbst 2017 dereguliert haben. „Die Liberalisierung desitalienischen Marktes wurde mit Absicht durchgeführt – im Zuge eineseuropäischen Zugzwangs, in dessen Rahmen die Mitgliedstaaten Reformen in dieserRichtung durchführen.“ Den Kettenkonzernen zufolge bringe der Fremdbesitz auchVorteile mit sich – schließlich gehe es vielen Apotheken finanziell schlecht.

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