Gesundheit

Kliniken fürchten um Liefersicherheit in der ambulanten Zyto-Versorgung

Der Referentenentwurf für ein Gesetz für mehr Sicherheit inder Arzneimittelversorgung (GSAV) hat aus Sicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)gute Ansätze. Kritik übt sie allerdings an den beabsichtigten Regelungen in derambulanten Zytostatikaversorgung. Die Kliniken möchten die Preise für dienötigen Arzneimittel lieber selbst verhandeln, als dies den Kassen zuüberlassen.

Der Entwurf für das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“(GSAV) war am heutigen Montag Thema einer Verbände-Anhörung imBundesgesundheitsministerium. Die DeutscheKrankenhausgesellschaft (DKG) nutzte diese, um ihre Bedenken an der geplantenNeuregelung für parenterale Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln der Onkologieanzumelden. Diese ist eine Reaktion auf den Zyto-Skandal in Bottrop.

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Grundsätzlich enthalte der GSAV-Entwurf viele Aspekte, diegeeignet seien, das Ziel, die Sicherheit und Qualität derArzneimittelversorgung zu steigern, zu erreichen, erklärt die DKG in einerMitteilung. Doch gerade im Bereich der ambulanten Zytostatikaversorgung werde dabei dauerhaft die Lieferfähigkeitinfrage gestellt.

Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unddem ersten GSAV-Entwurf aus seinem Hause, erhalten öffentliche Apothekenkünftig eine feste Herstellungspauschale von 110 Euro pro applikationsfertiger Einheit. Zudemerstatten die Kassen den Apotheken den „tatsächlich vereinbarten“ Einkaufspreis,höchstens jedoch den Apothekeneinkaufspreis und die Umsatzsteuer – Aufschläge sindnicht mehr vorgesehen. Damit bestehe für Apotheken keine Notwendigkeit mehr für Preisverhandlungen mit pharmazeutischenUnternehmen – denn etwaige Rabatte müssten ohnehin an die Kasse durchgereichtwerden. Dafür sollen Rabattverträge zwischen Kassen und Pharmaunternehmen aufLandesebene die Regel werden – die bisherige Kann-Vorschrift soll eineSoll-Vorschrift werden. Und genau dieseVerlagerung der Preisverhandlungen ganz auf die Kassen läuft der DKG zuwider. 

An Erfahrungen im Impfstoffbereich denken!

„Auch wir sehen, dass der Gesetzgeber auf den in Bottropaufgedeckten Skandal reagieren muss, aber die vorgesehene Einführung derRabattverträge in diesem Bereich lässt befürchten, dass es mittelfristig zuVersorgungsengpässen kommen könnte. Die Krankenkassen haben ja schon imImpfstoffbereich deutlich gemacht, dass sie Rabattverträge ausschließlich unterKostengesichtspunkten, nicht aber unter Sicherheitsaspekten betrachten. Nichtumsonst werden gerade hier den Krankenkassen Grenzen aufgezeigt. DerGesetzgeber sollte sich hüten, den gleichen Fehler zu machen“, mahnt DKG -PräsidentDr. Gerald Gaß.

Gerade für die Zytostatikaversorgung würden viele Altoriginalebenötigt, die nur noch von einem oder wenigen Anbietern auf dem Markt zurVerfügung gestellt werden und zumeist finanziell nicht besonders lukrativ seien,so die DKG weiter. Sie fürchtet nun, dass eine weitere Verschärfung des Preiswettbewerbsdurch Rabattverträge einzelne Anbieter dazu bringen könnte, ihre Zulassungzurückzugeben. Beispielhaft nennt die DKG den Krebswirkstoff 5-FU, bei dem esdurch Marktaustritte bereits zu gravierenden, die Versorgung beeinträchtigendenLieferengpässen gekommen ist.

Auch für die Krankenhausapotheken müsse eine patientenindividuelleZytostatikazubereitung vor Ort ohne unkalkulierbare Risiken erbringbar sein, sodie DKG weiter. Andernfalls könnten mittelfristig ihre wohnortnahenVersorgungsstrukturen zugunsten industrieller Herstellbetriebe flächendeckendund dauerhaft zerstört werden – „mit weitreichenden Auswirkungen für diePatienten“, so Gaß. Für ihn ist daher klar: „Der Einkauf von Arzneimitteln undMedizinprodukten muss in der Eigenverantwortung der Krankenhäuser bleiben. Hierhaben die Kostenträger nichts zu suchen.“

DKG: Ein Skandal wie in Bottrop ist in Kliniken nicht möglich

Nicht zuletzt weist die DKG darauf hin, dass ein Skandal wiein Bottrop in Krankenhäusern ohnehin ausgeschlossen sei. DieZytostatikaherstellung in Krankenhausapotheken sei ein hochgradigarbeitsteiliger Prozess. Darüber hinaus gebe es durch die Angestelltenstrukturin den Krankenhausapotheken keine ökonomischen Fehlanreize.

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