Gesundheit

Was sagt die Kammer zum Islam-Apotheker?

Eine Apotheke im westfälischen Haltern am See sorgt derzeitfür Schlagzeilen: Inhaber Bernd Redemann ist zum Islam konvertiert und seineOffizin mit mehreren arabischen Schriftzügen ausgestattet. DAZ.online erzählteer, dass es seine Pflicht sei, Menschen vom Islam zu überzeugen. Wer dem nichtfolge, komme in die Hölle. Die für ihn zuständige Apothekerkammer Westfalen-Lippeerhält zu diesem Thema derzeit vermehrt Medienanfragen. Gegenüber DAZ.onlineerklärte ein Kammersprecher, dass man sich die Situation nun genauer anschauen will.

Darf ein Apotheker seinen Versorgungsauftrag nutzen, umPatienten von einer Religion zu überzeugen? Genau das passiert derzeit in einerApotheke im westfälischen Haltern am See. Der Apothekeninhaber Bernd Redemannsagte gegenüber DAZ.online zwar, er wolle seine Botschaft niemandem „aufdrängen“.Trotzdem hat er seine gesamte Apotheke mit auffälligen Schriftzügen inarabischer Sprache ausgestattet, trägt T-Shirts mit Sprüchen zum Islam und gibtzu: „Ich habe nach einem Weg gesucht, wie ich meinen Beruf damit verbindenkann, den Menschen auch den Islam nahezulegen.“

Denn als Muslim, so sagt er, habe er nun einmal die Pflicht,den Menschen die „wahre Botschaft Gottes“ ans Herz zu legen. „Ich zwinge daniemanden zu. Ich verkaufe hier ganz normal die Arzneimittel und es gibt auchdie ganz normale und vorgeschriebene Beratung“, sagt er. Er halte sich an dieGesetze und wolle seine Botschaft auch niemandem aufdrängen. „Aber wenn dieKunden nach den Kalligrafien oder dem T-Shirt fragen, dann komme ich mit ihnenüber den Islam ins Gespräch“, sagt er. Sein Botschaft ist dann aber klar: Manmüsse die Menschen warnen, dass „nur die Rechtgläubigen ins Paradies“ kämen.Jeder Mensch, der den Islam nicht annähme, gehe in die Hölle, meint er.

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Die Polizei sei zwar einmal in seiner Apotheke gewesen, habesich aber nur umgeschaut und sei dann wieder verschwunden, erklärt Redemann. Auchfür die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) ist der Halterner Apotheker zumThema geworden. Nach der Berichterstattung in den Lokalmedien melden sich nunimmer größere Medien bei der AKWL, auch der WDR hat bereits berichtet. Und inden sozialen Netzwerken wird die Kammer gefragt, wie sie denn dazu stehe. In einemersten Statement gegenüber der „Halterner Zeitung“ erklärt sie, dass es bislangkeine Beschwerden über den Apotheker gegeben habe. Es sei nicht verboten,religiöse Gespräche zu führen, der Apotheker dürfe aber nicht seine Vertrauensposition ausnutzen, so der Kammersprecher.

Gegenüber DAZ.online kündigte die AKWL in einemausführlicheren Statement nun an, sich die Situation in Haltern genaueranzuschauen. Das Statement im Wortlaut:

Apotheken sind für die ordnungsgemäße Versorgung derBevölkerung mit Arzneimitteln zuständig und zwar ohne Ansehen von ethnischerHerkunft, Religion oder Geschlecht. Sie sind kein Platz für Missionierungen –ganz gleich für welche Religion oder Weltanschauung. Der Versorgungsauftragmuss grundsätzlich und verantwortungsvoll erfüllt werden. Er ist grundsätzlichhöher zu bewerten als die persönliche Weltanschauung des Apothekers. So müssenApotheker alkoholhaltige Arzneimittel ebenso abgeben wie die Anti-Baby-Pille.Gerade katholisch-konservative Apotheker haben sich in der Vergangenheitbeispielsweise geweigert, die Anti-Baby-Pille abzugeben. Solch ein Verhaltenist nicht akzeptabel und wird sanktioniert. Auch die Empfehlung einerbestimmten Religiosität als Mittel der Gesundung ist nicht hinnehmbar. Hierdrohen im empfindliche Strafen.

Es gilt außerdem, dass der Vertrauensvorschuss, denApothekerinnen und Apotheker aufgrund ihrer hervorgehobenen Stellung genießen,nicht missbraucht werden darf. Kranke Patienten sind oft geschwächt undeventuell leicht beeinflussbar. Das darf auf keinen Fall ausgenutzt werden –egal ob für religiöse oder politische Zwecke. Klar ist aber auch, dassPatienten von sich aus einen Apotheker nach seiner Weltanschauung fragen dürfenund dann ein Gespräch stattfinden darf. Das garantiert die Religionsfreiheit.Trotz intensiver Diskussionen zum Thema gibt es – Stand heute – keine konkretePatientenbeschwerde, die auf ein unfreiwilliges Gespräch hinweist oder auf eineanderweitige Pflichtverletzung.

Die AKWL befindet sich im Austausch mit derAufsichtsbehörde, dem Kreis Recklinghausen, und wird die aktuelle Entwicklunggenau beobachten. Wir werden den Apotheker zu einer Stellungnahme auffordernund präventiv auf seine Pflichten hinweisen.

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