Blasenkrebs fürh erkennen



Ein Tumor in der Blase macht sich oft erst spät bemerkbar. Für manche Menschen sind deshalb Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll

Blasenkrebs macht sich erst spät bemerkbar. Experten halten Vorsorgeuntersuchungen deshalb für sinnvoll

"Eine Packung am Tag rauche ich schon." Völlig unbefangen erzählen ihm manche Blasenkrebs-Patienten von ihrer Zigarettensucht. "Leider ist der Zusammenhang zu wenig bekannt", sagt Dr. Gerson Lüdecke, Urologe am Uniklinikum Gießen. Viele würden allenfalls an Lungenkrebs denken.

Doch Rauchen ist auch der größte Risikofaktor für Blasentumore, rund die Hälfte geht darauf zurück. Fast 30.000 Menschen in Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts jährlich neu. Betroffen sind vor allem Männer.

Vorsorgeuntersuchung

Viele spüren lange nichts von ihrer Erkrankung. Typisch für Blasenkrebs sind Blut im Urin, ständiger Harndrang, häufiges Wasserlassen und Unterleibsschmerzen. "Aber oft macht sich das lange gar nicht bemerkbar", so Lüdecke. Ein Früh­erkennungsprogramm, wie etwa bei Darmkrebs, gibt es nicht.

Vorsorgliche Untersuchungen müssen Patienten selbst bezahlen. Für Menschen mit erhöhtem Risiko sei solch eine Maßnahme einmal im Jahr sinnvoll, so Lüdecke. Denn je früher ein sogenanntes Urothel-Karzinom entdeckt wird, umso besser lässt es sich behandeln.

Das persönliche Risiko prüfen lässt sich zum Beispiel mit dem von Lüdecke entwickelten kostenlosen Online-Test auf www.risikocheck-blasenkrebs.info. Je nach Punktezahl kann der Gang zum Urologen ratsam sein – auch wenn keine Symptome vorliegen.

Kamera in der Harnröhre

Der Facharzt untersucht den Urin, eventuell ist eine Blasenspiegelung nötig. Nur damit lässt sich eindeutig klären, ob ein Tumor vorliegt. Unter örtlicher Betäubung wird ein dünnes, biegsames Endoskop durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Daran befindet sich eine kleine Kamera. So kann der Arzt Gewebeveränderungen erkennen.

Etwa zwei Drittel der Tumore wachsen in den oberen Schleimhautschichten der Blase und dringen nicht in die Tiefe ein. Meist sind sie auch weniger aggressiv. "Dann kann so behandelt werden, dass die Blase erhalten bleibt", sagt Professor Christian Bolenz, Leiter der Urologie am Universitätsklinikum Ulm.

Der Arzt muss ­lediglich das veränderte Gewebe abtragen. Der Eingriff unter Narkose dauert etwa 20 Minuten, Patienten können die Klinik nach wenigen Tagen verlassen.

Das Rückfall-Risiko wegspülen

Allerdings kommt es häufig zu Rückfällen. "Je nach Aggressivität des Tumors liegt das Risiko dafür in den zwei Jahren nach dem Eingriff bei 30 bis 70 Prozent", sagt Lüdecke. Die Nachsorge ist deshalb besonders wichtig.

Mehr Männer betroffen

Die Zahl der Blasenkrebs- Patienten ist leicht rückläufig. Männer erkranken dreimal so häufig wie Frauen. Für sie ist es die vierthäufigste Krebsart nach Prostata-, Darm- und Lungenkrebs.

Regelmäßige Blasenspülungen, die ambulant beim Urologen gemacht werden, können die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall reduzieren. Gespült wird entweder mit einem Chemotherapeutikum oder mit abgeschwächten Tuberkulose-Bakterien.

"Diese lösen in der Blase eine Entzündung aus, aktivieren so das Immunsystem und wirken gegen Vorstufen von Krebszellen", erläutert Bolenz. Leider kommt es dabei gelegentlich zu stärkeren Beschwerden, ähnlich einer Blasenentzündung oder einer Grippe.

Besonders wichtig scheint die Spülung unmittelbar nach dem Eingriff zu sein, wie eine aktuelle Studie im Fachblatt JAMA nahelegt. Die Autoren verglichen die Wirkung einer Spülung mit dem Chemotherapeutikum Gemcitabin mit einer Placebo-Spülung.

Nachsorge gegen Rückfall

In der Gemcitabin-Gruppe erlitten 67 von 201 Patienten innerhalb von vier Jahren einen Rückfall, in der Kontrollgruppe waren es 91 von 205 Patienten. Zur Nachsorge gehören zudem regelmäßige Blasenspiegelungen.

"Das ist wichtig, um möglichst früh einschreiten zu können, falls der Tumor wieder auftritt", sagt Bolenz. Die Untersuchung sei heutzutage mit modernen Instrumenten deutlich weniger unangenehm als früher. Und möglicherweise gibt es bald eine Alternative. Bolenz: "Es wird intensiv an einem verlässlichen Urintest zum Nachweis von Blasenkrebs gearbeitet."

Wie hoch ist das persönliche Risiko?

Risiko Rauchen

30 bis 70 Prozent der sogenannten Urothel-Karzinome werden dadurch begünstigt. Je mehr jemand raucht, desto höher das Risiko. Die krebserregenden Stoffe aus Zigarettenrauch gelangen mit dem Urin in die Blase.

Persönliches Risiko

Geschlecht und Alter spielen eine Rolle. Männer trifft es dreimal so häufig wie ­Frauen. Sie erkranken im Durchschnitt mit 73 Jahren, Frauen mit 76. Manchen Menschen fehlt außerdem ein bestimmtes Enzym. "Sie können Giftstoffe, die zur Entstehung von Blasenkrebs beitragen, schlecht abbauen", erklärt Urologe Gerson Lüdecke.

Risiko Beruf

Bestimmte chemische Substanzen, die mit dem Atem und durch die Haut aufgenommen werden, fördern Blasenkrebs. Besonders gefährlich ist die Gruppe der aromatischen Amine. Sie werden bei der Herstellung von Farben und Chemikalien verwendet, sind in Teer und Pech enthalten. Gefährdet sind etwa Arbeiter in der chemischen, Stahl- und Lederindustrie, Lackierer, Automechaniker, Aluminiumschmelzer und Zahntechniker.

"Es können Jahrzehnte vergehen, bis sich die Folgen zeigen. Wir behandeln heute Patienten, die zwischen 1955 und 1980 in einer Risikobranche gearbeitet haben", sagt Lüdecke. Einen entsprechenden Krebs-Verdacht muss der Arzt der Berufsgenossenschaft melden. Wenn jemand mindestens zwei Jahre unter Risiko tätig war, hat er Anspruch auf Entschädigung. Eine Zusatzrente kommt eventuell auch später noch Hinterbliebenen zugute.

Medizinisches Risiko

Wer bereits wegen eines anderen Tumors eine Strahlentherapie im kleinen Becken oder eine Chemotherapie mit Cyclophosphamid erhalten hat, hat ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs. Stärker gefährdet sind auch Menschen mit chronischen Harnwegsinfekten und Dauer-Katheterträger. Außerdem erhöhen unter anderem die Einnahme des Schmerzmittels Phenazetin (in Deutschland nicht mehr im Handel) und die tropische Infektionskrankheit Bilharziose die Gefahr.

Bei Patienten, deren Tumor bereits in den Blasenmuskel eingewachsen ist, muss das Organ meist entfernt werden. Üblich ist eine Operation mit großem Bauchschnitt. Zunehmend wird aber auch minimal-invasiv mit der Assistenz von Robotern operiert.

Roboter-Operation bewährt sich

Lange gab es in Deutschland noch Vorbehalte –in den USA nutzen Ärzte das Verfahren schon lange. Nun bestätigte eine der ersten großen Studien dazu im Fachblatt Lancet sogar einen leichten Vorteil der Roboter-Variante. Patienten verloren etwas weniger Blut und konnten die Klinik schneller wieder verlassen, aber es gab nicht weniger Komplikationen und nahezu keinen Überlebensvorteil.

Viele dieser Patienten bewegt vor allem die Frage, wie ihr Leben ohne Blase weitergeht. Dieses Problem wird im gleichen Eingriff gelöst. Der Operateur schafft etwa eine Kunstblase aus einem Stück Dünndarm oder – häufigstes Vorgehen – einen künstlichen Urinausgang.

Der Harn sammelt sich dann in einem Beutel, der am Bauch getragen wird. Dieser fällt unter der Kleidung nicht auf, macht keine Geräusche und riecht nicht. Experte Bolenz: "Man kann damit voll aktiv sein, sogar schwimmen gehen."

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