Persönliche Gesundheit

Nagelprobe

Seit mehreren Wochen leidet die Frau unter Husten. Als sie zusätzlich Fieber entwickelt, stellt sie sich in der Ambulanz der Honjo-Daiichi-Klinik im japanischen Yurihonjo vor.

Die Ärzte dort hören die Lunge der 78-Jährigen ab: Sie rasselt beim Atmen. In ihrem Blut befindet sich zu wenig Sauerstoff. Eine Röntgenaufnahme zeigt, dass sich im Bereich zwischen der Lunge und den Rippen, der sogenannten Pleurahöhle, Flüssigkeit gesammelt hat. Mediziner nennen dieses Phänomen Pleuraerguss. Es erklärt den andauernden Husten der Patientin. Auch kann ein Pleuraerguss zu Atemnot führen und die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen.

Anzeichen für einen Herzinfarkt entdecken die Ärzte bei der Frau nicht.

Auf der Röntgenaufnahme ist ein beidseitiger Pleuraerguss zu sehen

Bakterien, Krebs, Entzündung?

Die Mediziner beginnen, nach der Ursache des Pleuraergusses zu suchen. Hier gibt es eine ganze Reihe möglicher Erklärungen.

  • Mithilfe einer Computertomografie des Oberkörpers schließen sie aus, dass ein Tumor vorliegt.
  • Die Mediziner entnehmen eine Probe der Flüssigkeit, um zu prüfen, ob sich darin Bakterien befinden. Das ist nicht der Fall. Es steckt also keine bakterielle Infektion hinter den Beschwerden.
  • Ein Bluttest deutet zunächst auf eine Entzündung hin. Hat die Frau möglicherweise eine rheumatoide Arthritis? Die Krankheit, die in erster Linie die Gelenke betrifft, kann auch die Lunge schädigen. Genauere Tests bestätigen diesen Verdacht jedoch nicht.

Zwei Details fallen den Ärzten auf: Sowohl die Fingernägel als auch die Fußnägel der 78-Jährigen sind gelb verfärbt. Zusätzlich sind ihre Füße durch eine Flüssigkeitsansammlung, ein Lymphödem, geschwollen. Verrät dies die Diagnose?

Die Fingernägel sind gelb verfärbt

Die Ärzte, Hideya Itagaki und Suzuki Katuhiko, setzen sich mit der Krankengeschichte der Patientin auseinander, wie sie im „Journal of Medical Case Reports“ berichten. Die Frau musste sich verschiedenen Operationen an den Knien und der Wirbelsäule unterziehen und trägt seitdem Implantate im Körper. Die jüngste OP an der Wirbelsäule liegt ein Vierteljahr zurück. Auf einem Röntgenbild ihres Brustkorbs, das vor diesem Eingriff entstand, ist noch kein Pleuraerguss zu erkennen.

Sehr seltene Krankheit

All diese Informationen führen die Ärzte zur Diagnose: Die Frau hat das sogenannte Gelbe-Nägel-Syndrom.

Diese extrem seltene Krankheit hat drei typische Symptome:

  • Die namensgebenden gelb verfärbten Nägel. Diese sind meist auch verdickt und wachsen nur noch langsam.
  • Andauernde Atemwegsprobleme wie etwa chronischer Husten oder Pleuraergüsse.
  • Lymphödeme, also übermäßige Flüssigkeitsansammlungen.

Welche genaueren Vorgänge im Körper zu dieser Kombination von Symptomen führen, ist noch nicht erforscht. Es wird vermutet, dass eine Störung des Lymphflusses eine Rolle spielt. Die Lymphe, eine milchig-wässrige Flüssigkeit, fließt in einem eigenen Gefäßsystem durch den Körper und ist unter anderem für die Entwässerung von Gewebe zuständig. Aufgrund einiger beschriebener Fälle wird vermutet, dass unter anderem Titan-Implantate das Gelbe-Nägel-Syndrom auslösen können.

Bei der Patientin in Japan beobachten die Ärzte alle typischen Beschwerden des Syndroms. Zudem setzten die Symptome einen Monat nach der OP ein, bei der die Frau ein titanhaltiges Implantat erhielt.

Dieses zu entfernen ist für die Patientin keine gute Option. Denn es sitzt an der Wirbelsäule und stützt diese (siehe Röntgenbild oben). Grundsätzlich kann solch eine OP bei Betroffenen mit Gelbe-Nägel-Syndrom eine Lösung sein.

Die Frau erhält stattdessen Vitamin-E-Tabletten, die das Wachstum ihrer Finger- und Fußnägel wieder normalisieren sollen. Nach etwa einem halben Jahr hat sich der Zustand der Nägel deutlich verbessert.

Gegen den Pleuraerguss hilft die Vitamingabe jedoch nicht. Die Ärzte verkleben in einer OP die Pleurahöhle, was eigentlich dazu führen sollte, dass keine Flüssigkeit mehr in diesen kleinen Raum zwischen Lunge und Rippen dringen kann. Doch leider bringt der Eingriff keine Besserung.

Deshalb kommt die Frau nun etwa alle ein bis zwei Monate in die Klinik und die Ärzte fertigen eine Röntgenaufnahme ihres Brustkorbs an. Hat sich in der Pleurahöhle zu viel Flüssigkeit gesammelt, wird diese abgesaugt.

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