Persönliche Gesundheit

Sind vegane Burger die besseren Schnitzel?

Flammen schlagen durch das verkohlte Grillrost, lecken am Burgerpatty, während Fett brutzelt. Optisch unterscheidet sich die Werbung kaum von den PR-Filmen großer Fast-Food-Ketten. Doch der eingeblendete Text verrät: Dieser Burger ist komplett pflanzlich.

Das kalifornische Start-Up „Beyond Meat“ hat mit seinen veganen Burgern einen Hype ausgelöst. Als Lidl die Pattys ins Angebot aufnahm, waren sie innerhalb kürzester Zeit vergriffen; mittlerweile vermarktet der Discounter genauso wie Aldi eigene Produkte. Auch von Fleischwurst oder Steak finden sich immer häufiger pflanzliche Imitate in den Supermarktregalen. Die Nachfrage ist groß, zum Teil auch mit der Hoffnung, dem Körper etwas Gutes zu tun. Doch wie gesund sind Fleischersatz-Produkte?

Matthias Riedls Meinung dazu ist eindeutig: „Man sollte nicht glauben, dass man damit ein gesundes Nahrungsmittel zu sich nimmt“, sagt der Hamburger Ernährungsmediziner. „Es ist ein Nicht-Fleisch, das keine Vitamine in nennenswerter Form enthält und auch keine sekundären Pflanzenstoffe, die gesundes Gemüse ja ausmachen.“

„Wenn die Zutatenliste so lang ist, muss man hellhörig werden“

Nachgemachtes Fleisch enthalte etwa Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Farbstoffe, künstliche Aromen. Und das, so Riedl, bekomme den Menschen auf Dauer und in großer Menge nicht. Es gebe aber gute und schlechte Produkte. „Wenn die Zutatenliste so lang ist wie bei Beyond Meat, dann muss man hellhörig werden“, sagt Riedl.

Bei einem Vergleich fielen dem Ernährungsmediziner bei Beyond Meat unter anderem ein hoher Fettgehalt, Stabilisatoren und Hefeextrakt als Geschmacksverstärker negativ auf. Andere Produkte hingegen hatten einen hohen Salzgehalt. „Es gibt aber auch Hersteller, die mit weniger Beimengungen auskommen“, sagt er. Ein Blick auf die Zutatenliste kann sich also lohnen. Beyond Meat gab zu der Kritik auf Nachfrage zunächst keine Stellungnahme ab.

Dass vegan oder vegetarisch nicht automatisch gesund bedeutet, zeigt auch die Einschätzung von Antje Gahl, Expertin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Unter den fleischlosen Alternativen seien einige „hochverarbeitete Fertigprodukte mit teils hohem Zucker-, Salz- oder und Fettgehalt“, sagt sie. „Auch viele Zusatzstoffe können vorhanden sein.“

Prinzipiell müssen die veganen Alternativenaber jedoch nicht schlechter sein als die fleischigen Originale: „Es kommt auf das einzelne Produkt an. Fleischersatzprodukte können die bessere Alternative sein, müssen es aber nicht. Allgemein ist das schwer zu beurteilen“, so die Ernährungswissenschaftlerin.

Hänchen hui, Schwein pfui

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte für einen Bericht drei vegane Grill-Ersatzprodukte mit dem sogenannten Nutri-Score bewertet, der Lebensmittel abhängig von ihren Inhaltsstoffen auf einer Skala von A (grün, gesund) bis E (rot, ungesund) einordnet.

Der Beyond-Meat-Bratling erhielt dabei unter anderem aufgrund seiner vielen Kalorien ein gelbes C. Der vegane Incredible Burger von Nestlé hingegen schnitt mit einem grünen A ab. Zum Vergleich: Produkte mit mariniertes Hähnchenfleisch erreichten bei der Stichprobe ein grünes A und B, die getesteten Produkte aus Schweinefleisch hingegen schnitten nur mit C, D oder sogar dem schlechtesten Wert, einem E, ab.

Mehr natürliche Lebensmittel

Für Ernährungsmediziner Riedl jedenfalls liegt die Antwort auf übermäßigen Fleischkonsum nicht in rekombinierten Nahrungsmitteln, die Fleisch imitieren. „Sondern die Antwort ist, dass wir mehr natürliche Nahrungsmittel essen. Wir brauchen nicht Extraktionen von Gemüse, weil Gemüse im Gesamten wirkt.“ Es sei ja nicht das isolierte Eiweiß einer Erbse allein, das gesund sei, sondern die gesamte Erbse.

Solche Isolate würden zum Beispiel mit Rote-Bete-Farbstoff, etwas Zucker, Raucharoma und anderem verrührt. Er rät, solche Fertigprodukte nicht mehr als ein- bis zweimal in der Woche zu essen. Für den täglichen Verzehr seien sie ebenso wenig geeignet wie Fleisch. Für diejenigen, die aus ethischen oder moralischen Gründen kein Fleisch essen, aber Geschmack und Konsistenz vermissen, dürfte das ausreichen.

Wer grundsätzlich auf Fleisch verzichtet, sollte laut Riedl zumindest Fisch, Eier oder Milchprodukte konsumieren. Das sei die beste Alternative. „Wir brauchen tierische Produkte für das Vitamin B12, ohne das wir nicht leben können.“ Und wenn man Veganer sei, bleibe einem kaum etwas anderes übrig, als Vitamin B12 künstlich zuzuführen – das sei aber auch kein Problem. Veggie-Burger jedenfalls lieferten dieses Vitamin nicht.

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