Zahl der Syphilis-Fälle in Deutschland steigt

Im vergangenen Jahr wurden knapp 7500 Syphilis-Fälle in Deutschland gemeldet, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Das sei ein Anstieg um 4,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016.

Betroffen sind vor allem Männer, die nach eigenen Angaben Sex mit Männern haben. Sie machen mindestens zwei Drittel der Fälle aus. Fälle bei Frauen sind vergleichsweise selten; 2017 lag ihr Anteil bei den gemeldeten Syphilis-Erkrankungen unter sieben Prozent. Zudem sind Menschen in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln und München überdurchschnittlich oft betroffen.

Viele Syphilis-Patienten sind HIV-positiv

Bereits seit 2010 beobachten die RKI-Experten einen kontinuierlichen Anstieg der Fallzahlen der sexuell übertragbaren Krankheit. In den Achtzigern war die bakterielle Infektion mit der Ausbreitung von HIV/Aids und den darauffolgenden Aufklärungskampagnen zum Safer Sex zurückgedrängt worden. Inzwischen ist eine HIV-Infektion ähnlich wie eine chronische Krankheit behandelbar, wenn auch nicht heilbar. Die Rückkehr der Syphilis kann den Experten zufolge mit einem häufigeren Kondomverzicht beim Sex unter Männern zu tun haben. Das komme auch bei wechselnden Partnern vor, heißt es im Bericht unter Berufung auf Befragungen.

Tatsächlich sind rund die Hälfte der mit Syphilis infizierten Männer, die angaben, Sex mit Männern zu haben, zugleich HIV-positiv. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass diese Männer besser über Geschlechtskrankheiten informiert sind und sich daher häufiger auf Syphilis testen lassen. Zudem vermuten die Experten, dass HIV-positive Menschen aufgrund ihrer Immunschwäche anfälliger sind für weitere Geschlechtskrankheiten.

Zahl der Erkrankten steigt weltweit

Die Syphilis-Zahlen steigen auch international, besonders in Australien, China den USA, aber auch in vielen Ländern der EU.

Der Anstieg gehe aber in Teilen auch auf bessere Testangebote zurück, berichtet das RKI. In ihrem Report betonen die Fachleute, Maßnahmen zur Vorbeugung, Diagnostik und Therapie sollten weiter ausgebaut werden. Auch der Gebrauch von Kondomen beim Sex wird empfohlen, allerdings mit dem Hinweis, dass diese keinen vollständigen Schutz vor einer Syphilis-Infektion bieten könnten. Diese kann auch über andere Schleimhäute, etwa beim Oralverkehr, übertragen werden.

So verläuft die Krankheit

Syphilis wird vom Bakterium Treponema pallidum ausgelöst. Hat man sich angesteckt, treten erste Symptome zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung auf.

Wird die Krankheit nicht behandelt, verläuft sie in drei Stadien:

  • Zunächst bildet sich an den Geschlechtsorganen oder am Mund ein meist schmerzloses Geschwür, das von selbst wieder abheilt. Die Erreger verteilen sich aber unbemerkt im Körper.
  • Im zweiten Stadium bekommen die Erkrankten meistens einen Hautausschlag und es bilden sich flache Knötchen in Hautfalten. Oft sind auch die Entzündungswerte im Blut erhöht, die Betroffenen haben Fieber und fühlen sich allgemein krank. Auch das geht meist von selbst vorbei.
  • Im dritten Stadium, das ohne Behandlung mehrere Jahre nach der Infektion eintreten kann, schädigt der Erreger im schlimmsten Fall Gefäße und innere Organe. Mögliche Folgen sind unter anderem Psychosen oder eine Demenz.

Damit es so weit gar nicht erst kommt, muss eine Syphilis-Infektion frühzeitig behandelt werden. Dann genügt meist eine Penicillin-Spritze. Etwa sieben Tage später ist der Erkrankte nicht mehr ansteckend.

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