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Lebenswichtige Sonnenstrahlen: Hemmt Sonnencreme die Produktion von Vitamin D?

Sich vor einem ausgiebigen Sonnenbad mit Sonnencreme vor der UV-Strahlung zu schützen, ist selbstverständlich. Doch mithilfe des Sonnenlichts produziert der Körper auch Vitamin D, das lebensnotwendig ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Blutwert von 50 Nanomol pro Liter.

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts zeigen über 55 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren eine suboptimale bis mangelhafte Versorgung von Vitamin D auf, welche das Risiko für Osteomalazie (Muskelschwund) und Osteoporose (Knochenschwund) stark erhöht.

FIT FOR FUN sprach mit Estefanía Lang, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, warum Vitamin D für den menschlichen Körper so wichtig ist, ob zur Vitamin-D-Produktion öfter auf Sonnenschutz verzichtet werden sollte und wie man einem Vitamin-D-Mangel entgegenwirken kann.

Estefanía Lang: Vitamin D ist für die Knochengesundheit von entscheidender Bedeutung. Die Produktion von Vitamin D durch die chemische Reaktion bei der Sonneneinstrahlung auf die Haut ist eine der bekannten Vorteile der UV-Strahlung.

Zudem sind Zusammenhänge zwischen der Vitamin-D-Versorgung und anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Blutzucker, Herzerkrankungen oder Krebskrankheiten in Beobachtungsstudien gefunden worden.

Estefanía Lang: Das ist eine sehr häufige Frage. Die Antwort ist, dass es wenig Beweise dafür gibt, dass Sonnenschutz die Produktion von Vitamin D verringert. Eine australische Gruppe identifizierte englisch-sprachige Publikationen, die zwischen 1970 und 2017 veröffentlicht wurden, um diesen Zusammenhang zu untersuchen.

Fazit: Die Sorge um Vitamin D sollte die Hautkrebsprävention nicht negativ beeinflussen.

Estefanía Lang: Im Sommer ist es nicht zwingend notwendig, Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich zu nehmen, wenn man täglich draußen mehr als 30 Minuten verbringt und sich dabei eincremt.

Estefanía Lang: Es gibt zur Zeit keine genauen Daten dazu. Das meiste Vitamin D, etwa 80 bis 90 Prozent, produziert der menschliche Körper selber dank der UVB-Strahlen. Diese können das Fensterglas nicht durchdringen, daher empfiehlt sich, insbesondere in den Wintermonaten Vitamin D einzunehmen.

Im Sommer genügt es, drei- bis viermal pro Woche Hände, Gesicht und Arme in der Sonne für 20 bis 30 Minuten zu halten.

Estefanía Lang: Bei einem mediterranen Hauttyp ist es in Ordnung, sich nicht einzucremen. Bei einem hellen Hauttyp (rothaarig) kann auch dies schon zu einer leichten Rötung führen.

Im Zweifelsfall cremt man sich lieber, 20 Minuten bevor man das Haus verlässt, ein.

Estefanía Lang: Vitamin D kann man in Form von Kapseln oder Tropfen sowohl vorbeugend als auch bei einem nachgewiesenen Mangel einnehmen.

Hautkrebs kann man vorbeugen, indem man sich vor der Sonne gut schützt. Mit ausreichender Kleidung, Sonnenschirm und den entsprechenden Sonnenschutzmitteln.

Estefanía Lang: Eine randomisierte Studie von der Arbeitsgruppe von Rabenberg und Kollegen aus 2018 zeigt, dass ca. 15 Prozent der Erwachsenen und 12 Prozent der Kinder in Deutschland an einem Vitamin-D-Mangel leiden.

Diese Zahlen sind niedriger im Vergleich zu den Jahren zuvor; allerdings sind die veröffentlichten Zahlen hoch. Daher rechtfertigt dies die vorbeugende Einnahme von Vitamin D in den Wintermonaten.

Estefanía Lang: In unseren Breitengraden ist eine Vitamin-D-Produktion im Winter durch die wenige Sonne meistens nicht möglich. Es ist bis heute nicht klar, wie viel UVB-Exposition mit Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden sollte, um den Speicher aufzufüllen.

Auch die Erhaltung von ausreichenden Vitamin-D-Körperspeichern kann den Bedarf in den meisten Fällen nicht decken.

Im Winter empfiehlt sich daher die Einnahme einer Erhaltungsdosis, um eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung sicher zu stellen.

Ist eine ausreichende Vitamin-D-Produktion möglich?

Ab LSF 20 werden 95 Prozent der UVB-Strahlen absorbiert. Allerdings liegen noch keine gesicherten Studien dazu vor, inwiefern dadurch die körpereigene Produktion von Vitamin D beeinträchtigt wird. Unterschiedliche Einschätzungen gibt es auch dazu, ob der Körper im Sommer, den Vitamin-D-Speicher so weit auffüllen kann, dass damit die Wintermonate überbrückt werden.

Das Umweltbundesamt vertritt die Auffassung, dass UV-Strahlung krebserregend für den Menschen ist und rät dazu, im Sommer exzessives Sonnenbaden zu vermeiden. Bei gesunden Menschen mit einem normalen Freizeitverhalten könne der Körper auch so genügend Vitamin D produzieren.

Diese Annahme vertritt auch das Bundesamt für Strahlenschutz. Nach derzeitigen Erkenntnissen genüge es, zwei- bis dreimal die Woche Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz für die Hälfte der Zeit in die Sonne zu halten, in der man sonst einen Sonnenbrand bekäme.

Zudem speichere jeder gesunde Körper das Vitamin D im Körper, sodass es im Winter wieder mobilisiert wird.

Das Robert Koch-Institut weist allerdings darauf hin, dass der Aufbau eines ausreichenden Vitamin-D-Speichers auch für die Wintermonate durch äußere und individuelle Faktoren wie Alter, Hautfarbe, Gewicht und Lebensstil erschwert werden kann.

In unseren Breiten ist die Vitamin-D-Bildung nur von März bis Oktober möglich und auch nur zwischen 11 bis 14 Uhr – dann wenn die Sonne am höchsten steht. Allerdings ist zu dieser Zeit der UVB-Index ebenfalls am höchsten und gefährlichsten.

Besonders in der kalten Jahreszeit zwischen diesen Monaten kommt es so zu niedrigen Vitamin-D-Spiegeln.

Dies liegt daran, dass Deutschland zwischen dem 47. und dem 55. Breitengrad liegt. Damit der Körper selbst Vitamin D bildet, ist eine UV-B-Strahlung der Wellenlänge 290 nm bis 315 nm erforderlich. Diese kommt ganzjährig nur in Regionen unterhalb des 35. Breitengrades vor.

Fazit der Redaktion

Wer sich im Sommer regelmäßig im Freien aufhält, kann als gesunder Mensch unter 60 Jahre wohlmöglich ausreichend Vitamin D produzieren – 15 bis 30 Minnuten mit freien Unterarmen, Gesicht und Händen reichen aus. Für diese kurze Zeit sollte bestenfalls auch kein UV-Sonnenschutz verwendet werden, weil sonst die Vitamin-D-Bildung blockiert wird.

Um Hautkrebs zu vermeiden, sollte man im Sommer das Sonnenbaden nicht übertreiben und sich bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne stets mit einem hohen Lichtschutzfaktor eincremen.

Um sicher zu gehen, ob die Vitamin-D-Speicher in Fett- und Muskelzellen für die Wintermonate gewappnet sind, kann der Vitamin-D-Spiegel ab November von einem Arzt/einer Ärztin getestet werden.

Sportler und Sportlerinnen haben zudem einen erhöhten Vitamin-D-Bedarf und sollten ebenfalls ihre Werte von einem Facharzt oder einer Fachärztin abchecken lassen, bevor sofort zu Nahrungsergänzungsmitteln gegriffen wird.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Vitamin D, abgerufen am 14.08.2020 https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/
  • Bundesamt für Strahlenschutz (2020): Bildung des körpereigenen Vitamin D, abgerufen am 14.08.2020 https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/vitamin-d.html
  • Robert Koch-Institut (2019): Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D, abgerufen am 14.08.2020 https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Vitamin_D/Vitamin_D_FAQ-Liste.html
  • Umweltbundesamt (2012): Themenheft UV-Strahlung, abgerufen am 14.08.2020 https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/515/publikationen/umid0212.pdf
  • Pharmazeutische Zeitung (2007): Bessere Deklaration schützt Verbraucher, abgerufen am 14.08.2020 https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-222007/sonnenschutzmittel-bessere-deklaration-schuetzt-verbraucher/

Annalena Lüthje

*Der Beitrag „Lebenswichtige Sonnenstrahlen: Hemmt Sonnencreme die Produktion von Vitamin D?“ wird veröffentlicht von FitForFun. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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