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Serienmarathon: Binge Watching schadet der Gesundheit

Wenn es draußen dunkel und ungemütlich wird, verkriecht man sich gerne mit dem Streamingdienst des Vertrauens einfach auf der Couch und guckt mal eben die neueste Staffel der Lieblingsserie durch.

Und da Netflix und Co. ein vielfältiges Angebot aufweisen, kommt Binge Watching gar nicht so selten vor.

Aber aufgepasst: Der Serienmarathon schadet der Gesundheit. Denn das lange Seriengucken wirkt sich negativ auf das Gedächtnis und den Schlaf aus.

Binge Watcher erinnern sich schlechter

Eine Studie der University of Melbourne hat gezeigt, dass sich Binge Watcher langfristig schlechter an die geguckten Serien erinnern können.

Zwar konnten die Teilnehmer, die die Serie „The Game“ am Stück geguckt haben, den Inhalt am nächsten Tag besser wiedergeben, nach 140 Tagen verschwand die Erinnerung jedoch. Bei Probanden, die wöchentlich nur eine Folge geschaut haben, war nach dieser Zeit die Handlung im Durchschnitt besser präsent.

Außerdem zeigte sich, dass Teilnehmer, die die Serie an einem Tag geschaut haben, die Folgen weniger genießen konnten.

Auswirkungen auf den Schlaf

Binge Watching wirkt sich vor allem jedoch negativ auf den Schlaf aus. Die Ergebnisse einer Studie der Techniker Krankenkasse sind eindeutig: Jeder zweite Erwachsene verbringt abends länger Zeit vor dem Fernseher, obwohl er eigentlich schon ins Bett gehen will.

Und das drückt die Schlafqualität. Nur die Hälfte der Befragten gab an, mehr als sechs Stunden pro Nacht zu schlafen. Wer länger fernsieht, schläft demnach weniger und schlechter.

Bildergalerie: 11 Tipps für besseren Schlaf

Eine Studie der University of Michigan bestätigt, dass die Schlafqualität durch das Binge Watching leidet. Knapp ein Drittel der Teilnehmer und bekennenden Serienmarathon-Fans gab an, unter Schlafstörungen zu leiden und nannten erhöhte Müdigkeit sowie Phasen von Schlaflosigkeit als Symptome dafür.

Die Forscher führen dies auf die kognitive Anstrengung kurz vor dem Schlafen gehen zurück, die einen daran hindert, abzuschalten.

Vor allem auch der „Second Screen“ hält den Körper vom Schlafen ab. Wer neben dem Fernsehen immer wieder zu seinem Smartphone wechselt, setzt sein Gehirn zusätzlich unter Stress. Denn das Hin- und Herwechseln kostet Kraft, die eigentlich für die Regeneration benötigt wird.

Fehlender Schlaf wiederum kann zu Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und innerer Unruhe führen.

Auch für die Psyche ist Binge Watching kontraproduktiv. Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass Binge Watching Stress verursacht und Angstzustände und sogar Depressionen fördern kann.

Binge Watching: Die Dauer ist entscheidend

Doch Serienfans können aufatmen, denn das Fernsehen an sich muss noch nicht schädlich sein.

Wer ausreichend erholsamen Schlaf tankt und sich im Alltag genug bewegt, muss auf einen gelegentlichen Serienmarathon nicht verzichten.

Wiebke Arps, Leiterin der Studie der Techniker Krankenkasse und Expertin für Betriebliches Gesundheitsmanagement, resümiert: „Grundsätzlich spricht natürlich nichts dagegen, den Feierabend auch mal vor dem Fernseher zu verbringen.“

Anstatt zehn Folgen auf einmal zu schauen, ist es aber ratsam, sich auf ein bis zwei Folgen zu beschränlen – so hat man auch länger etwas von seiner Lieblingsserie.

Wichtig ist es, vor dem Schlafengehen noch einmal richtig abzuschalten – ohne Fernseher oder Smartphone.

Um die Schlafqualität zu verbessern, helfen zudem beruhigende Abendrituale:

  • den Fernseher ausschalten
  • keine Unterhaltungselektronik (Smartphone, Laptop) im Bett
  • ein Buch lesen
  • Musik oder ein Hörbuch hören
  • Meditations- und Entspannungsübungen
  • Tee trinken

Quellen

  • Horvath, J. et al. (2017): The impact of binge watching on memory and perceived comprehension. Abgerufen am 13.12.2019. https://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/7729/6532
  • Exelmans, L. (2017): Binge Viewing, Sleep and the Role of Pre-Sleep Arousal. Abgerufen am 13.12.2019. http://jcsm.aasm.org/viewabstract.aspx?pid=31062
  • Elhai, J. et al. (2015): Viewing Patterns and Addiction to Television among Adults who Self-Identify as Binge-Watchers. Abgerufen am 13.12.2019. https://apha.confex.com/apha/143am/webprogram/Paper335049.html
  • Techniker Krankenkasse (2017): Schlaf gut, Deutschland. TK-Schlafstudie. Abgerufen am 13.12.2019. https://www.tk.de/resource/blob/2033604/118707bfcdd95b0b1ccdaf06b30226ea/schlaf-gut-deutschland-data.pdf

Annika Großkrüger, Luisa Hohenbrink

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