Gesundheit

60 Prozent der Todesfälle bei Moskauer Corona-Patienten gehen nicht in die Statistik ein

Lange schien es so, als ob das Coronavirus Russland auf rätselhafte Weise umgeht. Doch inzwischen werden jeden Tag durchschnittlich 10.000 neue Infektionen gemeldet. Mehr als 250.000 der 144 Millionen russischen Bürger sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität mit Sars-CoV-2 infiziert. Und das Virus breitet sich weiter aus. Waren bislang die Großstädte Moskau und Sankt Petersburg die Epizentren der Epidemie in Russland, so steigt jetzt die Zahl der Infektionen in den russischen Regionen.

Doch die Zahl der offiziellen Corona-Todesfälle bleibt auf den ersten Blick erstaunlich niedrig. Nur 2305 Menschen sollen nach der offiziellen Statistik an Covid-19 gestorben sein. Kritiker werfen der russischen Regierung deswegen vor, die Zahlen zu beschönigen. Tatsächlich erklärt sich die relativ niedrige Sterberate durch andere Kriterien, die in Russland herangezogen werden, um zu entscheiden, ob ein Corona-Todesfall vorliegt oder nicht.

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Das  Gesundheitsministerium der Stadt Moskau bestätigte nun: „Mehr als 60 Prozent der Todesfälle bei Moskauer Coronavirus-Patienten gehen nicht in die offizielle Statistik der Stadt ein.“ Demnach werden nur unmittelbar an Covid-19 Gestorbene in die Statistik aufgenommen. „Mehr als 60 Prozent der Todesfälle haben andere Ursachen wie Gefäßkrankheiten, bösartige Tumore im vierten Stadium, Leukämie, systemische Erkrankungen im Zusammenhang mit Organversagen und andere unheilbare tödliche Krankheiten“, heißt es in einer Erklärung des Moskauer Gesundheitsministeriums.

Andere Kriterien in Russland

Ist ein Patient, der an einem Herzinfarkt stirbt, ein Corona-Toter oder nicht? Diese Frage beantworten verschiedene Länder unterschiedlich. In Russland gilt ein solcher Todesfall nicht als Corona-bedingt. In Deutschland gelten hingegen alle Personen, die zum Zeitpunkt ihres Todes mit dem Coronavirus infiziert sind, als Corona-Tote. Auch wenn die Todesursache ein Suizid ist. „Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind (‚gestorben an‘), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war (‚gestorben mit‘) werden derzeit erfasst“, so die Regel des Robert-Koch-Instituts. 

Aufgrund der unterschiedlichen Kriterien, die an den Tag gelegt werden, warnen Statistik-Experten davor, die Todesraten in den verschiedenen Ländern zu vergleichen. 

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„Wer stirbt an dem Virus? Und wer stirbt mit dem Virus?“

„Die große Frage ist: Wer stirbt an dem Virus? Und wer stirbt mit dem Virus?“ erklärte Prof. Dr. Thomas K. Bauer, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen, in einem Interview dem stern. „Diese Frage ist aber nicht wirklich zu beantworten. Dies wäre nur möglich, wenn jeder Tote obduziert werden würde“, stellt der Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der Ruhr-Universität Bochum klar. „Aber das ist nicht zu leisten.“

„Ich tendiere dazu, zu sagen, dass alle Verzerrungen, die die Sterberate als hoch ausweisen, eher zu akzeptieren sind als Verzerrungen, die die Sterberate als niedrig erscheinen lassen.“ Der Grund sei die hohe Dunkelziffer, von der man ausgehen muss. 

Tatsächlich ist die Gesamtsterblichkeit in Moskau im April dieses Jahres um 20 Prozent im Vergleich zu den vergangenen zehn Vorjahresmonaten gestiegen. Wie offizielle Daten zeigen, sind im vergangenen Monat 12.000 Menschen in Moskau gestorben. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre starben in jedem April knapp 10.000 Moskauer. In diesem Jahr sind also 2000 Tote mehr verzeichnet worden. Die Zahl der Corona-Toten wird für diesen Zeitraum aber mit 600 ausgewiesen. 

Quellen: Gesundheitsministerium Moskau, RKI, John-Hopkins-Universität, Datenbasis der Stadt Moskau

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