Gesundheit

60 Prozent Geimpfte, aber Zahlen steigen: Großbritannien schlittert in 4. Welle

Während in Deutschland das Infektionsgeschehen abebbt, spitzt sich die Lage in Großbritannien erneut zu. Denn dort breitet sich die indische Variante trotz guter Impffortschritte schnell aus. Das zeigt, dass wir uns auch hierzulande nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfen. 

In Deutschland herrscht Euphorie, denn mittlerweile liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nur noch bei 23 (Stand: 09.06.21). Zahlreiche Lockerungen wie Präsenzunterricht für Kinder und Jugendliche und das Entfallen der Testpflicht in Restaurants lassen uns der Normalität wieder ein Stück näher rücken.    

Doch was gerade in Großbritannien passiert, zeigt deutlich, wie schnell sich die Lage wieder ins Negative drehen kann. Denn dort sorgt die indische Variante, die die WHO inzwischen offiziell als Delta-Variante bezeichnet, erneut für ein wachsendes Infektionsgeschehen. So stieg die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro Tag in den vergangenen Wochen kontinuierlich an und liegt nun erneut bei Werten von über 6000 Fällen – so viel wie zuletzt im März. Laut Auskunft des britischen Gesundheitsministeriums sollen bereits vor Pfingsten über 61 Prozent der neuen Fälle auf die neue Delta-Variante zurückzuführen gewesen sein – mittlerweile liegt die Quote schon bei 75 Prozent.

Deshalb gehen die Behörden in Großbritannien von einer substanziell erhöhten Wachstumsrate aus, denn der R-Wert liegt nun zwischen 1 und 1,2. Ob das Königreich die letzten Corona-Beschränkungen wie geplant am 21. Juni fallen lassen kann, die soziale Kontakte und Veranstaltungen ohne Beschränkungen erlauben, bleibt deshalb äußerst fraglich. Eine vierte Welle sei „unvermeidlich“, sagte die walisische Gesundheitsministerin Eluned Morgan am Sonntag: „Die Frage ist, wie groß diese Welle sein wird.“

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Impfung wohl weniger wirksam gegen Delta-Variante

Und das obwohl Großbritannien hinter Israel die höchste Impfquote weltweit aufweist: So sind im Vereinigten Königreich laut britischem Gesundheitsministerium bereits über 53 Prozent der Menschen vollständig geimpft – über 77 Prozent haben bereits eine Erstimpfung erhalten.

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Doch wie eine neue Studie aus England nahelegt, die jüngst im Magazin "Lancet" veröffentlicht wurde, schützt der Impfstoff wohl nicht so sicher vor einer Erkrankung mit der Delta-Variante wie vor einer Erkrankung durch den Wildtyp – oder durch die in England vor Delta dominierenden Variante B.1.1.7, die mittlerweile auch in Deutschland am verbreitetsten ist. So liegt die Schutzwirkung sowohl bei Astrazeneca als auch bei Biontech nach der ersten Dosis lediglich bei 33 Prozent. Die Schutzwirkung gegenüber der englischen Variante B.1.1.7 liegt nach der ersten Spritze bereits bei 50 Prozent.

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Nach der zweiten Impfung wird es besser, aber die Schutzwirkung ist dennoch geringer als bei B.1.1.7. Demnach bietet der Impfstoff von Biontech/Pfizer eine 88-prozentige Schutzwirkung gegenüber B.1.617.2 ab 14 Tagen nach der Zweitimpfung. Bei B.1.1.7 liegt die Schutzwirkung dann bei 93 Prozent.

Astrazeneca wirkt dagegen offenbar deutlich eingeschränkter gegen eine Erkrankung mit der neuen Delta-Variante. Der Studie zufolge bieten zwei Dosen von Astrazeneca lediglich einen 60-prozentigen Schutz. Gegen B.1.1.7 liegt die Wirksamkeit bei 66 Prozent.

Wie der britische Gesundheitsminister Matt Hancock am Montag berichtete, seien aber von den insgesamt 12.383 Delta-Fällen, die bis 3. Juni registriert wurden, 464 in der Notaufnahme gelandet und 126 mussten hospitalisiert werden. Das Interessante daran: Davon waren 83 nicht geimpft, 28 hatten eine Erstimpfung und lediglich drei hatten beide Impfungen schon erhalten.

Ohne Zweitimpfung könnte Immunantwort entfallen

Diese Zahlen zeigen also, dass Impfungen trotz eingeschränkter Wirkung gegen die Delta-Variante wichtig sind und vor allem Zweitimpfungen einen hohen Schutz bieten.

Das sehen auch Mediziner hierzulande so. "Impfen und besonders die zweite Impfung sind essenziell für einen Schutz vor den Virus-Mutanten", twitterte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. "Beta (die südafrikanische Variante) und Delta werden erst dann neutralisiert, da beide der Immunantwort sonst entgehen können."

Delta-Mutation circa 50 Prozent ansteckender

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen auch indische Forscher. Die Delta-Variante machte das Land im April und Mai zum Corona-Epizentrum der Welt mit über 400.000 Fällen pro Tag. Dies führte zu einer Überlastung des Gesundheitssystems. Es gab weder genügend Medikamente noch Sauerstoff. Laut einer Preprint-Studie, die von Forschern des National Centre for Disease Control in Neu Delhi durgeführt wurde, sei die Übertragbarkeit der Delta-Variante um 50 Prozent höher als die der Alpha-Variante.

Wie sich in Indien und jetzt in England zeigt, könne Delta demnach sehr schnelle Ausbrüche verursachen, bei denen sich auch Geimpfte infizieren. In der Studie heißt es nicht nur, dass unvollständige Impfungen nicht ausreichten, sondern auch frühere Infektionen, um die Verbreitung der Delta-Variante zu verhindern. ourworldindata.org Die Entwicklung der Fallzahlen in Indien

Ob die Delta-Mutation allerdings zu einer höheren Todesrate führt, ist der indischen Studie zufolge bislang noch unklar. In Indien könnte demnach auch der zeitweise Zusammenbruch des Gesundheitssystem zu mehr Toten geführt haben. Zuletzt ging die Zahl der täglichen Corona-Toten deutlich zurück. Experten zufolge gäbe es in Indien allerdings eine sehr hohe Dunkelziffer von Menschen, die an Corona sterben. Die Fallzahlen selbst sanken mittlerweile auf circa 100.000 Fälle pro Tag und sind damit nach wie vor auf sehr hohem Niveau.

Die Impfquote in Indien ist dagegen sehr niedrig. Nur circa drei Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner sind bisher vollständig geimpft. Bei den Erstimpfungen sind es etwas über 13 Prozent.

Delta-Variante in Deutschland noch wenig präsent

Die Delta-Variante spielt in Deutschland nach Daten des Robert Koch-Instituts bisher eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil an den untersuchten Proben aus der Woche vom 17. bis 23. Mai betrug lediglich 2,1 Prozent. Es dominiert mit 93 Prozent B.1.17. Insgesamt sind in Deutschland 45,7 Prozent erstgeimpft und 21,3 Prozent vollständig geimpft.

Dennoch sind auch Mediziner hierzulande besorgt: "Der große Unsicherheitsfaktor ist gerade die neue Mutation B.1.617.2, die noch ansteckender als die derzeit dominierende Variante B.1.1.7 sein soll", sagte etwa der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, der Zeitung "Rheinische Post". Schrittweise werde sich in den kommenden Wochen die erstmals in Indien nachgewiesene Mutante durchsetzen, befürchtet der Mediziner. "Wenn wir also bei dieser noch ansteckenderen Variante unvorsichtig werden, können die Inzidenzen auch sehr schnell wieder hochschnellen. Dann ist eine vierte Welle möglich. Das Risiko dafür, dass es erneut viele Schwerkranke und Todesfälle geben könnte, besteht also weiterhin", warnt der Divi-Chef.

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