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Coronavirus: Ansteckungsgefahr in Flugzeugen untersucht – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Corona-Infektionsgefahr in Flugzeugen

Eine der wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 ist Abstandhalten. Doch dies ist vor allem während des Reisens kaum umsetzbar. Forschende haben nun eine Untersuchung zur Übertragung des Virus in Flugzeugen durchgeführt und kommen zu dem Schluss, dass es darin ohne Schutzmaßnahmen zu Infektionen kommen kann.

Die steigende Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 wird unter anderem auch auf Reiserückkehrende zurückgeführt. Dass sich viele Menschen im Urlaub mit dem neuartigen Erreger anstecken, ist bekannt, Doch wie sieht es eigentlich mit der Übertragung des Virus in Flugzeugen aus?

Flug ohne spezielle Sicherheitsvorkehrungen

Einer aktuellen Mitteilung zufolge hat eine Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Frankfurt untersucht, ob es zu Übertragungen von SARS-CoV-2 im Flugzeug kommt. Dafür wurden Reisende einer Passagiermaschine befragt und auch getestet.

Die betreffende Maschine flog Anfang März mit 102 Passagierinnen und Passagieren an Bord von Tel Aviv nach Frankfurt. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf Flügen noch keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz einer Übertragung – wie beispielsweise das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Die Flugzeit betrug vier Stunden und 40 Minuten. Einige der Passagierinnen und Passagiere gehörten einer Reisegruppe an, die vor dem Abflug einen Risikokontakt hatte.

Nach der Ankunft in Frankfurt am Main wurden die Mitglieder der Reisegruppe getestet. Sieben dieser insgesamt 24 Personen waren unmittelbar nach dem Flug SARS-CoV-2-positiv – also zum Zeitpunkt des Fluges bereits mit Corona infiziert.

Bei zwei Personen, die nicht zu der Reisegruppe gehörten, wurde zu einem späteren Zeitpunkt eine Infektion festgestellt. Wie es in der Mitteilung heißt, erscheint in diesen beiden Fällen aufgrund der zeitlichen Abfolge eine Übertragung im Flugzeug sehr wahrscheinlich.

Rückschlüsse auf das Übertragungsrisiko

„Der untersuchte Flug fand zu einem Zeitpunkt statt, zu dem im Flugverkehr noch keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor SARS-CoV-2 eingeführt worden waren“, erläutert Prof. Jürgen Graf, Co-Autor der Studie, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt sowie Flugmediziner.

„Dadurch ermöglicht die Studie Rückschlüsse auf das Übertragungsrisiko unter Normalbedingungen, in denen keine speziellen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor SARS-CoV-2 vorgenommen wurden.“

Um mögliche Übertragungen zu erkennen, wurden alle Passagierinnen und Passagiere des Fluges vier bis fünf Wochen später kontaktiert. In systematischen Interviews wurden sie nach Coronavirus-Symptomen und -Risikokontakten befragt.

Diejenigen, die über Symptome berichteten, konnten sich einem zweistufigen Antikörpertest unterziehen. Ebenfalls testen lassen konnten sich alle Passagierinnen und Passagiere, die im Flugzeug maximal zwei Reihen von einem der sieben Personen entfernt saßen, die bereits zum Zeitpunkt des Fluges SARS-CoV-2-positiv waren.

In zwei Fällen waren die beiden Antikörpertests positiv. In den Interviews hatten die beiden positiv getesteten Reisenden angegeben, dass sie vor oder nach dem Flug keine Risikokontakte hatten.

Übertragung während des Fluges wahrscheinlich

„Es lässt sich nicht 100-prozentig ausschließen, dass weitere Passagiere unbemerkt angesteckt wurden“, so Dr. Sebastian Hoehl, Erstautor der Studie und Arzt am Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikum Frankfurt.

„Außerdem können wir nicht mit letzter Sicherheit sagen, dass die beiden Übertragungen während des untersuchten Fluges stattgefunden haben. Grundsätzlich wäre auch eine Ansteckung zum Beispiel auf dem Flughafen am Gate oder bei anderer Gelegenheit denkbar. Allerdings kommen wir aufgrund der uns vorliegenden Informationen zu der Einschätzung, dass eine Übertragung im Rahmen des Fluges sehr wahrscheinlich ist.“

Den Angaben zufolge waren die Infektionszahlen zum relevanten Zeitpunkt sowohl in Deutschland als auch in Israel insgesamt noch sehr niedrig und die beiden relevanten Personen haben von keinen SARS-CoV-2-Fällen aus ihrem Umfeld berichtet. Außerdem haben die beiden Passagiere während des Fluges in der Nähe der bereits SARS-CoV-2-positiven Personen gesessen.

Zusätzliche Schutzmaßnahmen im Flugzeug

Laut den Forschenden können trotz gewisser Unsicherheiten auf Grundlage der Studienergebnisse einige begründete Schlussfolgerungen für die Sicherheit im Flugverkehr gezogen werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es zu einzelnen Übertragungen im betreffenden Flugzeug gekommen – eine Ansteckung im Flugzeug ist also grundsätzlich möglich, vor allem wenn wie hier kein Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Die Übertragungen passierten voraussichtlich im näheren Umfeld der bereits SARS-CoV-2-positiven Menschen.

„Die Anzahl der Übertragungen ist niedriger, als wir bei sieben Ausgangspatienten angenommen hätten. Das spricht dafür, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Übertragungen des Virus reduzieren können – aber eben nicht vollständig verhindern. Mit Blick auf diese Ergebnisse erscheinen zusätzliche Schutzmaßnahmen im Flugzeug – wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – sehr sinnvoll“, sagt Prof. Sandra Ciesek, Letztautorin der Publikation und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

An der Studie, die in dem Fachjournal „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde, war neben dem Universitätsklinikum Frankfurt und der Goethe-Universität das Gesundheitsamt Frankfurt beteiligt. (ad)

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