Gesundheit

Coronavirus-Übertragung: Wann ist die Ansteckungsgefahr am höchsten? – Heilpraxis

SARS-CoV-2-Ausscheidungen in den ersten Tagen am höchsten

Zu welchem Zeitpunkt scheidet eine Person, die sich mit dem Coronavirus-SARS-CoV-2 infiziert hat, die meisten Viren aus? Dieser Frag ging ein Forschungsteam aus Schottland nach. Die Arbeitsgruppe zeigte, dass infizierte Personen in den ersten fünf Tagen nach Beginn der Symptomatik die meisten Viren freisetzen. Ab dem neunten Tag wurden keine lebenden Coronaviren mehr nachgewiesen.

Forschende der University of St Andrews untersuchten in der bislang umfassendsten Studie zu dem Thema, in welchem Zeitraum mit SARS-CoV-2 infizierte Personen die meisten Viren abgeben. Dies erlaubt Rückschlüsse, zu welchem Zeitpunkt die größte Ansteckungsgefahr von den Betroffenen ausgeht. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Lancet Microbe“ präsentiert.

Die fünf Tagen nach Symptombeginn sind am ansteckendsten

Patientinnen und Patienten, die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 angesteckt haben, scheiden laut der aktuellen Studie in den fünf Tagen nach den ersten Anzeichen von Symptomen die höchsten Viruskonzentrationen aus. Neun Tag nach Beginn der Beschwerden konnten bei einem Großteil der Proben keine lebenden Viren mehr nachgewiesen werden, die über die Atemwege freigesetzt werden. Bei schweren Verläufen halte die Infektiösität durchschnittlich zehn Tage an.

Freisetzung bei asymptomatischen Verläufen

Insgesamt zeigte sich, dass in der gesamten ersten Woche nach einer Übertragung die meisten Viren ausgeschieden werden – auch bei Menschen mit asymptomatischen Verläufen. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, Fälle frühzeitig zu identifizieren und zu isolieren.

Die drei Pfeiler der Infektiösität

Die Forschenden analysierten die drei Schlüsselfaktoren für die Ausbreitung von COVID-19: die Viruslast, die virale RNA-Abgabe sowie die Isolierung von lebenden Viren. Die Viruslast bestimmt die Menge der im Körper vorhanden Viren. Die RNA-Abgabe gibt an, wie lange eine infizierte Person genetisches Material des Virus freisetzt. Bei der Isolierung wird bestimmt, ob sich in den ausgeschiedenen Tröpfchen lebende Viren befinden, also Viren, die sich replizieren können.

Zudem verglich das Team die Ergebnisse mit den zwei anderen humanen Coronaviren SARS-CoV-1 und MERS-CoV. „Dies ist die erste systematische Übersicht und Metaanalyse, die die Viruslast und die Ausscheidung dieser drei humanen Coronaviren umfassend untersucht und verglichen hat“, berichtet Studienhauptautor Dr. Muge Cevik. Die Studie liefere eine klare Erklärung dafür, warum SARS-CoV-2 sich effizienter als die anderen beiden Coronaviren verbreitet und somit schwieriger einzudämmen ist.

Was SARS-CoV-2 von anderen Coronaviren unterscheidet

Im Gegensatz zu den anderen untersuchten Coronaviren SARS-CoV-1 und MERS erreicht SARS-CoV-2 die höchste Viruslast bereits nach rund fünf Tagen. SARS-CoV-1 erreicht diese Hochphase erst nach zehn bis 14 Tagen und MERS nach sieben bis zehn Tagen.

SARS-CoV-2 verbreitet sich vor allem in einer frühen Phase

„Unsere Ergebnisse stimmen mit Studien zur Ermittlung von Kontaktpersonen überein, die darauf hindeuten, dass die Mehrzahl der viralen Übertragungsereignisse sehr früh auftritt, insbesondere innerhalb der ersten fünf Tage nach Symptombeginn, was auf die Bedeutung einer Selbstisolierung unmittelbar nach Symptombeginn hinweist“, fasst Dr. Cevik zusammen.

Aufmerksamkeit auf frühe Symptome schärfen

Dr. Cevik unterstreicht die Wichtigkeit eines Bewusstseins in der Bevölkerung für die mit COVID-19 verbundenen Symptome. Vor allem auch für die frühen Anzeichen wie beispielsweise Geschmacksverlust oder Halsschmerzen, die oftmals vor den deutlicheren Beschwerden wie Husten und Fieber auftreten. Er rät beim Auftreten der ersten Symptome zu einer sofortigen Selbstisolation.

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Virus-RNA-Ausscheidung hält durchschnittlich 17 Tage

Die Arbeitsgruppe analysierte insgesamt 98 Studien und stellte so fest, dass die durchschnittliche Dauer der Virus-RNA-Ausscheidung aus dem Körper 17 Tage beträgt. In einigen selten Fällen wurde die RNA sogar noch 60 Tage nach Infektion abgeben. Dieser Wert sei aber nicht ausschlaggebend für eine Ansteckung, da es sich bei der RNA nur um genetisches Material, nicht aber um lebende und infektiöse Viren handelt.

PCR-Tests zu lange positiv?

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass in der klinischen Praxis wiederholte PCR-Tests möglicherweise nicht erforderlich sind“, erklärt Dr. Cevik. Da der PCR-Test auf die RNA reagiere, bleiben Menschen viel länger positiv, als sie aller Wahrscheinlichkeit nach ansteckend sind.

Team fordert stärkere Unterstützung der Selbstisolation

„Die unterstützte Selbstisolation muss in Zukunft die Norm sein, da das Testen allein keine effektive Intervention darstellt“, so Dr. Cevik. Die Tests machen wenig Sinn, wenn Menschen zuvor nicht in der Lage seien, sich während der ansteckendsten Zeitspanne selbst zu isolieren. „Zurzeit ist in Großbritannien nur jeder fünfte Mensch in der Lage, sich selbst zu isolieren“, erläutert der Studienautor weiter. Es müssten Mittel zur Verfügung gestellt werden, die eine Isolation aus Eigenantrieb ermöglichen. (vb)

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