Gesundheit

COVID-19-Forschung: Welche Organe werden wie stark befallen? – Heilpraxis

COVID-19: Gewebeschäden nur in einem Organ

Es ist schon länger bekannt, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 kein reines Atemwegsvirus ist, sondern neben der Lunge auch verschiedene andere Organe befallen kann. Ein Forschungsteam hat nun die Viruslast in diversen Organen untersucht und nur in einem davon Gewebeschäden festgestellt.

Da das Coronavirus SARS-CoV-2 erst vor relativ kurzer Zeit auf den Menschen übergesprungen ist, lernen Fachleute erst im Verlauf der aktuellen Pandemie mehr über sein Verhalten und die medizinischen Folgen der Infektion. Bei der durch den Erreger ausgelösten Erkrankung COVID-19 stehen zwar vor allem die Atemwegs- und Lungensymptome im Vordergrund, doch das Virus greift auch andere Organe an. Forschende haben dazu nun neue Erkenntnisse gewonnen.

Krankheitsmechanismen noch unverstanden

In der seit über einem Jahr währenden Pandemie wurden bereits mehr als 127 Millionen SARS-CoV-2-Infektionen weltweit registriert (Stand: 30.03.2021).

Vieles konnte in der biomedizinischen und klinischen Erforschung von COVID-19 bereits erreicht werden, jedoch sind weiterhin noch wesentliche Krankheitsmechanismen unverstanden.

Laut einer aktuellen Mitteilung hat ein Forschungsteam aus Virologie und Mikrobiologie, Rechtsmedizin und Pathologie sowie Intensivmedizin und Elektronenmikrospie am Universitätsklinikum Jena die Körper von elf Personen, die an COVID-19 verstorben sind, untersucht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfassten die SARS-CoV-2-Viruslast in einer Vielzahl von Organen und Geweben und brachten die Verteilung des Virus in Zusammenhang mit den festgestellten Gewebeschäden. Ihre Ergebnisse wurden nun in dem Onlinejournal „eLife“ veröffentlicht.

Autopsien kurz nach dem Tod

„Klinische Beobachtungen, insbesondere auch die Erfahrungen mit dem Post-COVID-Syndrom legen nahe, dass COVID-19 eine systemische Erkrankung ist, die nicht nur die Lunge, sondern den gesamten Körper betrifft“, erläutert Autorin Dr. Stefanie Deinhardt-Emmer. „Geeignete experimentelle Modelle zur Untersuchung von COVID-19 fehlen jedoch.“

Um ein umfassendes Bild der Erkrankung bezüglich der Mikrobiologie und Histologie beim sehr schweren Verlauf zu erhalten, führten die Forschenden jeweils nur wenige Stunden nach den Tod Autopsien an COVID-19-Verstorbenen durch. Abbauprozesse an den Geweben und der Virus-RNA konnten so gering gehalten werden.

Pro Verstorbenem dokumentierten sie an über 60 Proben in verschiedenen Organen die Viruslast von SARS-CoV-2, Entzündungsmarker sowie Gewebeschäden. Mit elektronenmikroskopischen Aufnahmen konnten die Fachleute intakte Viruspartikel im Lungengewebe nachweisen.

Immunsystem kann nicht angemessen reagieren

Wie erwartet fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Virus-RNA vor allem in der Lunge, und dort war das Gewebe auch schwer betroffen.

„Interessanterweise haben wir SARS-CoV-2-RNA auch in verschiedenen anderen Geweben und Organen, wie Verdauungsorganen, Nieren oder den Herzgefäßen nachgewiesen. Aber nur in der Lunge hatte das Virus das Gewebe angegriffen“, erklärt der Rechtsmediziner und Koautor PD Dr. Daniel Wittschieber.

Den Angaben zufolge waren die untersuchten Entzündungsmarker und Gerinnungsfaktoren bei allen Patienten erhöht.

Mit ihrer Studie, die erstmals die Viruslast und Gewebeschäden bei COVID-19 umfassend kartiert, bestätigen die Jenaer Forschenden den systemischen Charakter der Erkrankung.

„Dass nur das Lungengewebe geschädigt, aber im gesamten Körper Virus-RNA verteilt ist, stützt die Vermutung, dass unser Immunsystem nicht angemessen auf das Vorhandensein des Virus im Blut reagieren kann. Das ist das eigentliche Problem bei COVID-19“, sagt Stefanie Deinhardt-Emmer. (ad)

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