Gesundheit

Das erste Eis nach 129 Tagen Intensivstation: Münchner bezwingt aussichtslose Corona-Erkrankung

Auch in der grausamen Corona-Pandemie gibt es immer wieder kleine Wunder. Ein Arzt des Klinikums Bogenhausen in München erzählt von einem Patienten, der 129 Tage aus der Intensivstation lag – und überlebte. Jetzt gab es das erste Eis für Robert.

Eigentlich hatten die Ärzte im Münchner Klinikum Bogenhausen die Hoffnung auf Roberts* Genesung längst verloren. Auch nach 30 Tagen an einem speziellen Atemgerät war seine Lunge katastrophal zerstört. Doch Oberarzt Markus Engel gab seinen jungen Patienten nicht auf – und schaffte das Unmögliche. 

Insgesamt 71 Tage hing der etwa 40-jährige Robert (*Name von der Redaktion geändert) an der Herz-Lungen-Maschine im Münchner Klinikum Bogenhausen. Die sogenannte ECMO, das steht für extrakorporale Membranoxygenisierung, kommt als letztes Mittel zum Einsatz, wenn eine künstliche Beatmung über ein Sauerstoffgerät nicht mehr ausreicht.

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Doch nach 30 Tagen an dem speziellen Gerät zeigte Roberts Lunge noch immer keine Verbesserung. Markus Engel, Oberarzt in Bogenhausen, blickte hoffnungslos auf die weiterhin zerstörte Lunge seines jungen Patienten. Eigentlich sei das der Zeitpunkt, um aufzuhören, schildert er in einer Pressemitteilung der München Klinik.

Münchner Arzt: "Wollte ihm nicht sagen, dass wir ihn aufgeben"

„Aber ich wollte diesem jungen Mann nicht sagen, dass wir ihn aufgeben“, so Engel weiter. Seine Ärzte-Kollegen hätten zu diesem Zeitpunkt mit Blick auf die Lungenfunktion des Patienten nur den Kopf geschüttelt. Doch das Intensivteam setzte die Arbeit fort – und Robert blieb an der ECMO angeschlossen.

Mit Erfolg: „Die Lungenschädigung war trotz des katastrophalen Befunds reversibel, unser Patient konnte noch an ECMO erste Schritte machen und hat sich mittlerweile weitgehend holt“, freut sich der Münchner Oberarzt.

Das erste Eis nach 129 Tagen Corona-Behandlung

Nach 71 Tagen an der Herz-Lungen-Maschine und einer gesamten Behandlungsdauer von 129 Tagen auf der Intensivstation ging es für Robert dann erstmal raus ins Freie, wo er sein erstes Eis genoss. In der vergangenen Woche durfte der Corona-Bezwinger dann endlich wieder nach Hause. „Es lohnt sich zu kämpfen“, resümiert Engels Oberarztkollege Stefan Volz Roberts Erfolgsgeschichte.

 

Und Roberts Schicksal ist kein Einzelfall. Ein 42-jähriger Patient ist nach 92 vollen Tagen an der ECMO nun wieder vollständig genesen. In der München Klinik wurden bislang mehr als 20 Patienten an der ECMO behandelt. Fünf dieser Maschinen sind derzeit in den München Kliniken im Einsatz. Nun übergab Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) den Kliniken ein weiteres Gerät.

München-Klinik-Chef: "Sehen das Licht am Ende des Tunnels"

Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik, betont, wie dankbar die Kliniken über diese Unterstützung seien: „Denn der Bedarf an Beatmung und ECMO ist in der dritten Welle insgesamt gestiegen. Wir sehen junge Patienten, die teilweise über Monate auf der Intensivstation liegen.“ Dennoch blicke man positiv in die Zukunft: „Wir sehen inzwischen mit den sinkenden Inzidenzen und steigenden Impfquoten das Licht am Ende des Tunnels.“

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