Gesundheit

Die gesund.de-App wird ein Jahr alt

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 14. Juni 2021, erfolgte der erste Release der gesund.de-App in den Stores von Apple und Google. Aktuell sind laut eigener Aussage mehr als 7.000 Vor-Ort-Apotheken an die von Phoenix und Noventi ins Leben gerufene Plattform angeschlossen. Anlässlich des ersten Geburtstages ziehen die Verantwortlichen Bilanz.

Für alle Digitaldienstleister und Unternehmen, die bei ihren Aktivitäten stark aufs E-Rezept gesetzt haben, war die mehrfache Verschiebung und jetzt sehr sanfte Einführung der elektronischen Verordnungen ein harter Schlag. Das gilt für die im Ausland ansässigen Arzneimittelversender, die sich mit den E-Verordnungen den großen Reibach erhoffen. Bei ihnen ist jede schlechte Nachricht im Aktienkurs ablesbar. Das gilt aber auch für Dienstleister wie gesund.de. Daher schreibt das von Phoenix und Noventi ins Leben gerufene Joint Venture in einer Mitteilung anlässlich des ersten Geburtstags der App, die gestern vor einem Jahr in die Stores von Apple und Google geladen wurde, das erste Jahr von gesund.de sei geprägt von großen Erfolgen gewesen und auch von Herausforderungen wie der verspäteten Einführung des E-Rezeptes. An der Mission der gesund.de GmbH & Co. KG habe sich dabei nichts geändert: die stationären Leistungserbringer des Gesundheitswesens digital fit zu machen, damit sie für Menschen die erste Adresse in Gesundheitsfragen bleiben. Der Roll-out des E-Rezeptes ab dem 1. September werde die ohnehin dynamischen Entwicklungen im Markt und bei gesund.de zusätzlich beschleunigen, verspricht der Dienstleister.

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Wer sich jetzt fragt „wie, erst ein Jahr, das läuft doch schon länger“?“, muss nicht an seinem Verstand zweifeln. Denn gestartet ist gesund.de schon vorher. Am 11. Februar 2021 erfolgte Unternehmensgründung als GfD Gesundheit für Deutschland GmbH & Co. Ein Endkundenangebot gab es zunächst nicht, nur eine Infowebseite mit der Ankündigung. Im April 2021 startete dann die Migration der Apotheken, die „callmyApo“  bzw. „deine Apotheke“ genutzt haben, beide Apps sollten zugunsten des neuen Angebots eingestellt werden. Im Juni 2021 ging dann die Initiative ProAvO in gesund.de auf. 

Rohrkrepierer ProAvO

Die Initiative ProAvO wurde 2019 von Rowa, Noventi, Sanacorp, Gehe und dem Wort & Bild Verlag gegründet. Das Ziel: Eine Plattform für alle Apotheken schaffen – nach eigener Aussage eine Art Booking.com für Apotheken. Die Apotheker sollen mittels einer neuen Genossenschaft an der App beteiligt werden.  Im Juni 2020 wurde diese Plattform namens Apora auch tatsächlich vorgestellt. Allerdings kam diese Plattform nie zum Laufen. Nachdem dann ProAvO-Gründungsmitglied Noventi mit dem Pharmahändler Phoenix „fremdgegangen“ war und gesund.de ins Leben gerufen hatte, stand lange die Frage im Raum, was mit den übrigen ProAvO-Gesellschaftern passiert. Bekanntermaßen ging ProAvO dann in gesund.de auf, allerdings ohne die Gehe, die ausstieg, zugunsten einer eigenen Digitalstrategie. Von ProAvO blieb nicht viel. Immerhin dürfte ein ganzes Stück Apora in gesund.de stecken.

Die noch übrigen Gesellschafter Sanacorp, Rowa und der Wort & Bild Verlag stiegen in die GfD mit ein. Erst im Juni 2021 folgte dann die App, im September der Marktplatz, also das Webangebot, und im Dezember der Bringdienst. Man sei bewusst mit einem Minimum Viable Product (kurz: MVP) in den Markt gestartet: mit einem Basisprodukt, dessen Funktionen kontinuierlich und unmittelbar auf Basis des Nutzerfeedbacks verbessert und ausgebaut werden. „Das befähigt uns dazu, auch kurzfristig auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren“, so Maximilian Achenbach, Mitglied der dreiköpfigen Geschäftsführung. In den letzten Monaten hat gesund.de mehrere App-Updates veröffentlicht und u. a. die laut eigener Aussage schnellste Rezept-Bestellstrecke aufgesetzt: Mit nur drei Klicks sollen Nutzer:innen ihr Rezept über die Plattform an ihre Apotheke übermitteln können.

Aktuell sind der Mitteilung zufolge mehr als 7.000 Vor-Ort-Apotheken in Deutschland an gesund.de angeschlossen, mehr als 5.000 von ihnen bieten bereits einen Bringdienst über gesund.de an. In Zusammenarbeit mit medatixx sollen zudem bald auch Terminbuchungen in Arztpraxen über gesund.de möglich sein. „Damit erreichen wir Menschen am Anfang der Patient-Journey, am Geburtsort des Rezeptes, und bilden die Schnittstelle zu den Apotheken“, sagt Geschäftsführer Maximilian Achenbach. „Durch weitere Partnerschaften, u. a. auch im Bereich der Telemedizin, werden wir Rezepte aus dem digitalen Kanal dahin holen, wo Patient:innen dazu am besten beraten werden können: in die Apotheke vor Ort.“

Simons: E-Rezept bietet Chancen

Auch der Roll-out des E-Rezepts biete vor allem Chancen für Vor-Ort-Apotheken, ist sich Dr. Simons, der selbst zehn Jahre als Apotheker tätig war und in der gesund.de Geschäftsführung u.a. verantwortlich für Marketing & Kommunikation ist, sicher. „Unsere zentrale Aufgabe ist es, den Endverbraucher:innen zu vermitteln, dass sich der Mehrwert des E-Rezeptes erst in Kombination mit den einzigartigen Stärken der Vor-Ort-Apotheken voll entfaltet.“

Einen weiteren Schwerpunkt will gesund.de auf den Ausbau des Ökosystems durch die Anbindung von Hilfs- und Heilmittelerbringern sowie Arzneimittel-Herstellern legen. „Gerade auch im Bereich der OTC- und Freiwahl-Produkte sehen wir für Vor-Ort-Apotheken großes Potenzial in einer Zusammenarbeit mit den pharmazeutischen Herstellern“, führt der Vorsitzende der Geschäftsführung Dr. Peter Schreiner, u.a. verantwortlich für den Bereich Manufacturer Relations, aus. Er ist überzeugt, dass gesund.de die Online-Lücke schließen und durch eine hohe Conversion die Abverkäufe steigern kann. Davon sollen Hersteller und die Vor-Ort-Apotheken gleichermaßen profitieren, so zumindest die Idee. 

Siebenstelliges Marketingbudget

Dass die Plattformangebote noch nicht bei den Endverbraucher:innen angekommen sind, ist allerdings auch kein großes Geheimnis. Spricht man mit Apotheker:innen ist die Zahl der Bestellungen überschaubar. Gesund.de investiert immerhin monatlich ein siebenstelliges Marketingbudget aus Gebühren der Partner-Apotheken und zusätzlichen Mitteln der Gesellschafter, um die Marke gesund.de in Deutschland bei Endverbraucher:innen zu etablieren. Als genauso wichtig wird seitens der Geschäftsführer aber auch die Empfehlung der Apotheker:innen an die Kund:innen erachtet.

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Nicht vergessen sollte man, dass es auch rechtliche Unsicherheiten in Bezug auf das Geschäftsmodell gibt. Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR), die sich aktuell die Bestell- und Liefer-Plattformen im Apothekenmarkt vorknöpft, hat eine wettbewerbsrechtliche Unterlassungsklage gegen gesund.de, eingereicht. Denn gesund.de erhebt von den angebundenen Apotheken eine einmalige Startgebühr von 799 Euro, zudem eine monatliche Pauschale von 199 Euro. Hinzu kommen Transaktionsgebühren in Höhe von 6 Prozent zum Verkaufspreis ohne Mehrwertsteuer für nicht verschreibungspflichtige Produkte. In dieser Transaktionsgebühr sieht die AKNR, die vor Gericht von Rechtsanwalt Morton Douglas vertreten wird, einen Verstoß gegen § 8 Satz 2 Apothekengesetz (ApoG). Zum anderen hält die Kammer es für unzulässig, wenn Partner-Apotheken weitergeleitete Verordnungen von Telemedizinanbietern wie GoSpring.de ungeprüft einlösen sollen. Das gehört sicher auch zu den Herausforderungen des ersten Jahres, von denen gesund.de eingangs gesprochen hat. 

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