Gesundheit

Dienogest-Pillen bergen leicht erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien

Als 2014 das Risikobewertungsverfahren für kombiniertehormonale Kontrazeptiva abgeschlossen wurde, konnte für Pillen mit Dienogestals Gestagenkomponente das Risiko für venöse Thromboembolien nicht abschließendbewertet werden. Nun weiß man mehr: Laut einer aktuellen Metaanalyse gehendiese Pillen im Vergleich zu den levonorgestrelhaltigen Kombis mit einem leichterhöhten Risiko einher.

Seit 2014 gibt es, resultierend aus einer europäischen Risikobewertung,die Empfehlung, dass Ärzte insbesondere für Erstanwenderinnen bevorzugt Pillenmit einem geringeren Risiko für die Bildung von Thrombosen und Embolienverschreiben sollen. Als risikoarm gelten Präparate mit Levonorgestrel,Norethisteron und Norgestimat, bei Drospirenon, Desogestrel und Gestodenhingegen wird das Risiko als hoch eingeschätzt. Bei neueren Gestagenen wieDienogest (zum Beispiel in Valette® und Maxim®) konnte das Langzeitrisiko bislang nicht abschließendbewertet werden. Wie Hersteller Jenapharm am gestrigen Dienstag per Rote-Hand-Briefmitteilte, liegen aber nun neue Erkenntnisse vor. Demnach kam eine Metaanalyse, dievier Beobachtungsstudien umfasste, nun zu dem Ergebnis, dass Pillen mit Dienogestund Ethinylestradiol mit einem leicht erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) im Vergleich zu Präparaten mit Levonorgestrel alsGestagenkomponente in Zusammenhang gebracht werden. Dieses „leicht erhöhte“ Risiko wird auch beziffert,nämlich mit 1,6-fach.

Mehr zum Thema

Dienogest plus Ethinylestradiol 

Bei Akne möglich – wenn sonst nichts wirkt

bei Akne

Neue Packungsbeilagen für Dienogest-Pillen

Nutzen-Risiko-Verhältnis vor Kurzem bewertet

Kombinierte hormonale Kontrazeptiva (KHK) mit Dienogest und Ethinylestradiolsind außer zur Verhütung zur Behandlung der mittelschweren Akne, wenn topischeTherapien nicht wirksam waren, zugelassen. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis indieser Indikation wurde erst vor knapp zwei Jahren neu bewertet. Man kam damalszu dem Schluss, dass es genügend Evidenz gebe, um den Einsatz der KombinationDienogest/Ethinylestradiol bei mittelschwerer Akne grundsätzlich zu befürworten– eben allerdings nur, wenn topische Therapien oder orale Antibiotika nichtwirksam sind. Das Risiko für VTE wurde seitens der EMA als niedrigeingeschätzt.

Grundsätzlich sind Ärzte bei der Verordnung kombinierteroraler Kontrazeptiva angehalten, die aktuellen, individuellen Risikofaktorender einzelnen Patientin zu berücksichtigen. Das gilt insbesondere für dieRisikofaktoren für VTE, dazu zählen zum Beispiel Rauchen und ein Alter über 35Jahre, sowie für  das höhere VTE-Risikoder dienogesthaltigen Kombinationen im Vergleich zu den als risikoarm geltendenmit Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron.

Um dies zu gewährleisten, steht behördlich genehmigtesSchulungsmaterial für Patientinnen sowie eine Checkliste für die Verschreibungvon KHK für Ärzte zur Verfügung.

Hier geht es zu den Materialien:

Checkliste Arzt

Patientenkarte

Quelle: Den ganzen Artikel lesen