Gesundheit

Doch nicht testen, testen, testen? Nun wird Kritik an Dänemarks Corona-Strategie laut

Noch im Spätsommer blickten viele neidisch gen Norden und versuchten, von der Corona-Strategie der Dänen zu lernen. Mit einer hohen Impfquote und einem landesweiten Massentest-Konzept schafften die Dänen den Sprung von der Pandemie zur Endemie. Doch mit Omikron explodierten die Fallzahlen, die Nachverfolgung war nicht mehr möglich. Zunehmend wird nun auch Kritik am Massentest-Konzept der Regierung laut.

Lange schien das Corona-Konzept der Dänen aufzugehen: Mit einer hohen Impfquote und einer landesweiten, staatlich finanzierten Test-Strategie schrumpfte die Pandemie zur Epidemie, bis am 10. September sämtliche Corona-Auflagen aufgehoben wurden. Zahlreiche Tests sollten die Lockerung absichern. Und das gelang auch, bis die Omikron-Variante die Fallzahlen explodieren ließ.

Kurz vor Weihnachten war Dänemark sogar trauriger Spitzenreiter in Europa. Auch aktuell liegen die Fallzahlen auf einem Rekordhoch. Die Inzidenz liegt derzeit bei 2777,4 und ist damit mehr als fünfmal so hoch wie in Deutschland (528,1).

Dänemark: Kritik an Massentests wird laut

Auch deshalb wird nun zunehmend Kritik am Corona-Konzept der Regierung laut. Es stellt sich die Frage: Wie sinnvoll sind die zahlreichen Tests, wenn die Corona-Fälle zwar erkannt werden, die Pandemie sich aber dennoch nicht eindämmen lässt?

Die Universität Roskilde untersuchte laut "Spiegel" nun genau das. Die Hypothese der Wissenschaftler war, dass mehr Tests zu einer Entlastung der Kliniken geführt haben müssten. Das bittere Fazit von Peter Kamp Busk, einem mitwirkenden Forscher: "Unsere Forschung zeigt, dass der Effekt der Massentests so gering ist, dass er in der Praxis nicht zur Eindämmung der Epidemie beiträgt", sagte er dem "Spiegel".

"Wissen Sie denn, wie viele Tests richtig gewesen wären? Ich tue es nämlich nicht."

Gegenwind kommt von Viggo Andreasen, der ebenfalls an der Universität Roskilde forscht. Der Epidemiologe hatte sich früh mit zahlreichen weiteren Experten aus Wissenschaft und Politik für die landesweite Teststrategie ausgesprochen und tut es weiterhin: "Wissen Sie denn, wie viele Tests richtig gewesen wären? Ich tue es nämlich nicht", zitiert ihn der "Spiegel".

Auch Dänemarks Top-Epidemiologin Lone Simonsen gibt ihm recht. "Wir stünden ohne Tests heute wesentlich schlechter da", ist sie sich sicher. Drei von vier Infektionen seien über Massentests entdeckt worden. "Die Tests haben dazu beigetragen, die Pandemie unter Kontrolle zu halten, bis wir die Menschen geimpft hatten."

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Corona-Strategie in Dänemark: Massentests auch eine Kostenfrage

Weiterer Kritikpunkt sind allerdings auch die Kosten. Die massive Teststrategie der Regierung würde jeden Monat etwa zwei Milliarden Kronen (umgerechnet beinahe 270 Millionen Euro) kosten, berichtete die dänische Zeitung Berlingske im Mai 2021, als sich Dänemark auf dem Höhepunkt der dritten Corona-Welle befand. Der Zeitung lag ein durchgesickertes Memo mit einer Einschätzung des Justizministeriums vor. Für die fast hundert Millionen Tests in den vergangenen zwei Jahren soll der der dänische Staat schätzungsweise bislang über eine Milliarde Euro gezahlt haben.

Nach "Spiegel"-Informationen überlegen deshalb nun Liberale, Rechtspopulisten, Konservative, gemäßigte und radikale Linke, gemeinsam einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, der die Teststrategie evaluieren soll.

Top-Virologin Simonsen: Pandemie in Dänemark ist noch vor dem Frühling beendet

Übrigens: Trotz Corona-Rekordzahlen blicken Dänemarks Corona-Forscher um Simonsen positiv und weitgehend unbekümmert in die Zukunft. Die Kombination aus vielen Infizierten und milden Krankheitsverläufen führe dazu, dass die Pandemie innerhalb eines Monats abebben könne. Die Pandemie sei in Dänemark noch vor dem Frühling beendet, prognostizierte Simonsen vergangene Woche. 

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