Gesundheit

Drosten warnt: Müssen mit Anstieg der Infektions-Zahlen auf nicht mehr erträgliches Maß rechnen

Deutschland schlägt sich in der Corona-Krise bisher sehr beachtlich: Zwar infizierten sich mehr als 150.000 Menschen mit Sars-CoV-2, doch die Zahl der Corona-Toten ist mit etwas mehr als 5500 verhältnismäßig niedrig. Top-Virologe Christian Drosten warnt jedoch vor zu großer Sorglosigkeit und weiteren Lockerungen des Lockdowns – bereits jetzt blickt er mit Sorge auf die aktuelle Situation in Deutschland.

In einem Fernseh-Interview mit dem ORF betont Virologe Drosten von der Berliner Charité, dass er bei seinen Einschätzungen immer als Bio-Wissenschaftler und nicht als Bürger oder Politiker spreche. Vor weiteren Lockerungen der Beschränkungen im öffentlichen Leben warnt der 48-Jährige nachdrücklich. Dabei nimmt er auch die Bundesbürger ins Visier. Die Infektionszahlen würden bereits wieder leicht steigen und das sei „möglicherweise in Zusammenhang mit dem Osterwochenende“ zu sehen, „wo vielleicht schon trotz Kontaktsperren einige Leute es nicht mehr so strenggenommen haben“. Das bringe für die nächsten Wochen viel Unsicherheit, weil die Auswirkungen der Lockerungen nach Ostern noch gar nicht in den derzeitigen Infektionszahlen eingepreist seien.

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Wie sich beispielsweise die Öffnung der Geschäfte bis 800 Quadratmeter auswirke oder die Menschen die gelockerten Maßnahmen selbst auslegen, gelte es zu beobachten. Wenn man nun zum Beispiel ganze Ladezeilen öffne, weil die Läden darin die festgelegten Bestimmungen erfüllen, habe man viel mehr Publikum als bei einem einzigen Laden. Der Virologe warnt daher vor Effekten, die von der Politik so nicht intendiert waren. „Ob es jetzt eine zweite Welle, wie es von mir verkürzt dargestellt wurde, oder ein Zunehmen der Infektionszahlen auf ein nicht mehr erträgliches Maß ist: Wir müssen mit sowas jetzt leider rechnen“, so Drosten. Dabei betonte der Virologe, ihm sei durchaus bewusst, dass es sehr schädlich für die Wirtschaft sei, wenn man Maßnahmen ganz hart durchzieht. Aber er spreche als Wissenschaftler.

Entspannung im Sommer, aber keine Immunität

Der Sommer werde dennoch helfen. Die Kombination aus Sonneneinstrahlung, Trockenheit und viel Zeit der Menschen im Freien könnte zu weniger Infektionen führen. Allerdings bedeute das auch, dass die Bevölkerung weniger Immunität für den Winter aufbauen würde. „Dann könnte wieder der Lockdown drohen“, sagte Drosten.

An einen Impfstoff glaubt der Virologe schon, aber nicht in nächster Zeit – frühestens in einem Jahr rechnet Drosten damit. „Die Frage ist, wie läuft es bis dahin.“ Er setzt dabei auch auf unbekannte Effekte der noch zu wenig erforschten Lungenkrankheit, auf eine sogenannte Hintergrundimmunität, die Menschen von früheren Erkältungscoronaviren aufgebaut haben könnten. Auch im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update" hatte sich Drosten bereits ausführlich dazu geäußert.

 

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Sommerliche Aktivitäten rät Drosten dennoch mit Vorsicht auszuüben. „De facto sicher“ sei es draußen nicht. Aber „insgesamt sind natürlich Bewegung und Sport etwas Gutes“, so der Virologe. Durch die Verdünnung in der Luft würde im Freien „eine Aerosolkomponente weniger zum Tragen“ kommen – entgegen halb- oder ganzstündigen Aufenthalten in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen. Vor kontaktintensiven Sportarten warnt Drosten.

Drosten sieht Schwedens Weg als gescheitert

Das liberale Modell, das Schweden aktuell fährt, sieht Drosten eher kritisch. „Die Wahrheit liegt in der Mitte. Man sah viele Menschen auf der Straße, aber das Eigenverantwortungsgefühl in Schweden ist viel höher. Aber wir sehen in diesen Tagen, dass das offenbar nicht gereicht hat.

Die Sterblichkeitsrate geht rapide nach oben.“ Deshalb werde Schweden jetzt seine Maßnahmen verschärfen und sei letztendlich in der Corona-Krise nur später dran als zum Beispiel Deutschland und Österreich – „nur mit viel mehr Toten“.

Corona-Podcast von Virologe Drosten noch zweimal pro Woche

Den erfolgreichen NDR-Podcast mit dem Charité-Virologen Christian Drosten gibt es künftig noch zweimal pro Woche. Das sagte Moderatorin Korinna Hennig in der 35. Folge des "Coronavirus-Update" vom Freitag.

Begründet wurde die weitere Verlangsamung des Rhythmus mit dem hohen Arbeitsaufwand: Drosten sagte, zu Beginn des Formats habe er viel Grundwissen vermitteln können, inzwischen brauche er für die Besprechung neuer wissenschaftlicher Studien mehr Vorbereitungszeit. Er wolle auch ein hohes Qualitätsniveau halten. Zuletzt erschien der Podcast dreimal wöchentlich, anfangs an jedem Werktag.

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