Gesundheit

Erste Länder befreien Geboosterte von Testpflicht: Virologe sagt, warum das sinnvoll ist

Wer bereits seine dritte Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten hat, ist etwa in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz von der Testpflicht bei 2G Plus oder 3G Plus befreit. Virologe Friedemann Weber erklärt, warum das sinnvoll ist – und wir keine große Angst vor unerkannten Infektionen haben müssen.

Weg mit dem Plus: In mehreren Bundesländern ist die Testpflicht für Menschen, die eine Auffrischungsimpfung gegen Corona erhalten haben, abgeschafft. Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg kündigten die Lockerungen für Drittgeimpfte am Freitag an, bereits seit Samstag sind sie in Kraft.

Die Auffrischungsimpfung erhöhe den Impfschutz enorm, teilte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit. „Sie brauchen dann deshalb beispielsweise für ihren Besuch in einem Restaurant oder beim Betreten eines Fitnessstudios keinen weiteren Test mehr.“ Die 2G-plus-Regel sieht vor, dass nur Geimpfte und Genesene mit einem negativen Test Zugang haben.

„Chaotische Zustände“ an Teststationen

Aus Sicht der drei Bundesländer hat die entfallene Testpflicht einen großen Vorteil: Bereits jetzt gibt es große Engpässe beim Testen. Lange Warteschlangen vor den Testzentren der Bundesrepublik sollen so vermieden werden, sagte Niedersachsens Regierungssprecherin Anke Pörsen. Zuvor hatte der niedersächsische Städte- und Gemeindebund über Meldungen aus allen Landesteilen von „unhaltbaren, teils chaotischen Zuständen“ an den Teststellen berichtet. „Die aktuellen Testangebote reichen bei Weitem nicht aus“, sagte Geschäftsführer Oliver Kamlage der Deutschen Presse-Agentur.

Doch ist das auch medizinisch sinnvoll? Oder gehen die drei Bundesländer ein gesundheitliches Risiko ein, nur um die Testzentren zu entlasten?

„Es wird immer wieder mal Anekdoten geben“

„Ich glaube, dass das okay ist“, sagt Friedemann Weber, Virologe von der Justus-Liebig-Universität Gießen, zu FOCUS Online. Zwar gebe es noch keine langfristigen Erfahrungen mit der Booster-Impfung. „Aber die Boosterung treibt die Spiegel der Antikörper wieder ordentlich nach oben, eventuell sogar höher als nach der zweiten Impfung. Und die Hoffnung ist, dass die Immunität dann stabiler bleibt – sprich dass die Geboosterten noch besser vor Infektion geschützt sind als Geimpfte ohne Booster. Dadurch streuen sie auch seltener das Virus.“

In Einzelfällen könne es zwar dennoch dazu kommen, dass sich Personen mit Drittimpfung infizieren oder das Virus weiterreichen. „Das sind immer Wahrscheinlichkeiten und ist niemals schwarz-weiß“, sagt Weber. „Es wird immer wieder mal Anekdoten geben von irgendeiner Party, wo alle geboostert waren und trotzdem haben sich Gäste infiziert. Das wird passieren.“ Doch in der Gesamtheit betrachtet, so Weber, „würde ich davon ausgehen, dass es unter Geboosterten noch seltener zu Übertragungen kommt als unter zweifach Geimpften.“ 

Wie hart auf die Bremse drücken?

Doch reichen die Maßnahmen für Geimpfte derzeit überhaupt aus, egal ob Testpflicht oder nicht? „Das ist immer eine Frage dessen, wie schnell man die Zahlen herunterzubringen bereit ist“, sagt Weber. „Wenn man sie schnell drücken will – wie es die Intensivmediziner dringend wünschen, weil sie hochgradig ausgelastet sind – dann bräuchte es tatsächlich schärfere Maßnahmen. Wenn die Gesellschaft das nicht möchte, was natürlich schon tragische Folgen haben wird teilweise, dann reicht es wahrscheinlich, um die Zahlen zumindest langfristig nach unten zu bringen.“ Das Credo, so Weber: Je härter man auf die Bremse drücke, desto rascher stelle sich auch eine Wirkung ein.

Die Minimierung von Kontakten sei daher auch bei Geimpften sinnvoll, sagt Weber – vor allem bei Menschen, die noch keine Booster-Impfung erhalten haben. „ Aber das Hauptaugenmerk muss wirklich auf den Ungeimpften liegen“, betont der Virologe. „Das muss man klar sagen, auch wenn man da bösen Gegenwind bekommt. Es ist einfach so, dass an den allermeisten Infektionsketten Ungeimpfte beteiligt sind. Es kann schon passieren, dass auch Geimpfte infiziert werden, aber wo haben sie es dann her? Von den Ungeimpften.“

Ein Land lockert die Testpflicht noch weiter

Tatsächlich sind einige Bundesländer bereits dazu übergegangen, die Maßnahmen auch für Geimpfte leicht zu verschärfen. Baden-Württemberg etwa hat Großveranstaltungen begrenzt, die wenigen bisher noch geöffneten Weihnachtsmärkte verboten und Clubs sowie Diskotheken geschlossen. Die Fußball-Bundesligisten des Landes spielen bereits seit dem Wochenende vor weitgehend leeren Rängen, die „Geisterspiele“ in den Stadien sind zurück. Denn nach der neuen Verordnung sind Veranstaltungen jeglicher Art nur noch mit maximal 50 Prozent der möglichen Besucher erlaubt. Für sämtliche Veranstaltungen – auch etwa in Kultur und Freizeit – gilt eine „harte Obergrenze“ von 750 Personen.

Gleichzeitig jedoch hat Baden-Württemberg die 2G-Plus-Testpflicht noch einmal gelockert: Auch Genesene, deren Infektion nachweislich maximal sechs Monate zurückliegt, sowie Geimpfte, deren zweite Impfung höchstens sechs Monate her ist, können sich den Corona-Test vor dem Restaurantbesuch sparen.

  •  News zur Corona-Pandemie im Ticker

    Temperaturen fahren Achterbahn: Erst die Polarpeitsche, dann das Weihnachtstauwetter

    Weather Channel Temperaturen fahren Achterbahn: Erst die Polarpeitsche, dann das Weihnachtstauwetter

Quelle: Den ganzen Artikel lesen