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Handschriftliche Aufzeichnungen machen Kinder schlauer – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Warum handschriftliche Ausbildung so wichtig ist

Kinder und Erwachsene lernen mehr und erinnern sich besser, wenn sie mit der Hand schreiben. Auch in Zeiten des digitalen Fortschritts sollten Kinder daher zumindest ein Minimum an handschriftlichem Unterricht erhalten.

Handschriftliche Aufzeichnungen helfen Menschen, mehr zu lernen und sich besser zu erinnern, so das Ergebnis einer Untersuchung unter Beteiligung von Forschenden der Norwegian University of Science and Technology. Veröffentlicht wurde die Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Frontiers in Psychology“.

Handschrift verbessert das Lernen

Ergebnisse aus verschiedenen Studien haben bereits gezeigt, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene mehr lernen und sich besser erinnern, wenn sie mit der Hand schreiben. Die aktuelle Untersuchung scheint diese Ergebnisse zu bestätigen. Die Forschenden stellten fest, dass Handschrift gegenüber der Verwendung einer Tastatur zu besseren Lern- und Gedächtnisleistungen beiträgt.

Hirnaktivität von Teilnehmenden wurde untersucht

In der aktuell veröffentlichten Studie wurde die Hirnaktivität von zwölf jungen Erwachsenen und zwölf Kindern untersucht. Zuvor gab es keine vergleichbaren Untersuchungen an Kindern, erläutert das Team. Die Hirnwellenaktivität wurde mit der Hilfe von über 250 angebrachten Elektroden gemessen und aufgezeichnet.

Elektrische Impulse des Gehirns wurden gemessen

Das Gehirn produziert elektrische Impulse, wenn es aktiv ist. Die Sensoren in den Elektroden sind sehr empfindlich und nehmen die elektrische Aktivität auf, die im Gehirn stattfindet, erläutern die Forschenden. Jede Untersuchung habe 45 Minuten pro Person gedauert.

Gehirn aktiver beim Schreiben mit der Hand

Die Ergebnisse zeigten, dass das Gehirn sowohl bei jungen Erwachsenen als auch bei Kindern beim Schreiben mit der Hand viel aktiver ist, als beim Tippen auf einer Tastatur oder auf einem Touchscreen, erklären die Forschenden.

Schreiben mit Hand aktiviert viele verschiedene Sinne

„Das Schreiben mit der Hand erzeugt viel mehr Aktivität in den sensomotorischen Teilen des Gehirns. Viele Sinne werden aktiviert, wenn man mit dem Stift auf Papier drückt, die geschriebenen Buchstaben sieht und das Geräusch hört, welches man beim Schreiben macht. Diese Sinneserfahrungen schaffen Kontakt zwischen verschiedenen Teilen des Gehirns und erleichtern dem Gehirn das Lernen“, erläutert Studienautorin Professorin Audrey van der Meer in einer Pressemitteilung.

Kinder sollten handschriftlich ausgebildet werden

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Kinder bereits im jungen Alter zum Zeichnen und Schreiben zu motivieren, besonders in der Schule. In der digitalen Zeit verbringen Kinder aber viel Zeit vor Smartphones und Computern und mit dem Tippen auf der Tastatur. Das Smartphone ist heutzutage ein ständiger Begleiter, dicht gefolgt von PC und Tablet.

Digitales Lernen hat Vor- und Nachteile

Kinder verbringen schon in ihrer Freizeit viele Stunden vor dem Bildschirm, dies wird nun durch das digitale Lernen in den Schulen noch verstärkt, erläutern die Forschenden. Van der Meer ist der Meinung, dass auch das digitale Lernen viele positive Aspekte hat, drängt aber ebenso auf ein handschriftliches Training.

Verlernen wir das handschriftliche Schreiben?

„Angesichts der Entwicklung der letzten Jahre riskieren wir, dass eine oder mehrere Generationen die Fähigkeit verlieren, mit der Hand zu schreiben. Unsere Untersuchungen und die anderer zeigen, dass dies eine sehr unglückliche Folge der zunehmenden digitalen Aktivität wäre”, berichtet Professorin Van de Meer weiter. Die Studienautorin ist der Ansicht, dass nationale Richtlinien eingeführt werden sollten, die sicherstellen, dass Kinder zumindest ein Minimum an handschriftlicher Ausbildung erhalten.

Ausschließlich digitales Lernen in Schulen?

Es gibt in Norwegen bereits Schulen, welche vollständig digitalisiert arbeiten und in denen kein Wert auf handschriftliche Ausbildung gelegt wird. Finnische Schulen sind sogar noch stärker digitalisiert als in Norwegen. Nur sehr wenige Schulen dort bieten überhaupt eine handschriftliche Ausbildung an, berichten die Forschenden.

Vorteile des digitalen Schreibens

Bei der Debatte über Handschrift oder Tastatur in der Schule vertreten einige Lehrer und Lehrerinnen die Position, dass Tastaturen weniger Frustration bei den Kindern auslösen. Sie weisen darauf hin, dass Kinder längere Texte früher schreiben können und motivierter beim Schreiben sind, weil die Beherrschung der Tastatur einfacher ist.

Vorteile des Schreibens mit der Hand?

„Das Erlernen des Schreibens mit der Hand ist ein etwas langsamerer Prozess, aber es ist wichtig, dass die Kinder die anstrengende Phase des Erlernens der Handschrift durchlaufen. Die komplizierten Handbewegungen und das Formen von Buchstaben sind in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft, erklärt Van de Meer.

Schreiben mit Hand fördert Feinmotorik

„Wenn Sie eine Tastatur benutzen, verwenden Sie für jeden Buchstaben die gleiche Bewegung. Das Schreiben mit der Hand erfordert die Kontrolle der Feinmotorik und der Sinne. Es ist wichtig, das Gehirn so oft wie möglich in einen Lernzustand zu versetzen. Ich würde eine Tastatur benutzen, um einen Aufsatz zu schreiben, aber während einer Vorlesung würde ich Notizen von Hand machen”, rät Van der Meer.

Gehirn muss für volles Potenzial gefordert werden

„Das Gehirn hat sich über Tausende von Jahren entwickelt. Es hat sich so entwickelt, dass es in der Lage ist, Maßnahmen zu ergreifen und angemessenes Verhalten zu steuern. Damit sich das Gehirn bestmöglich entwickeln kann, müssen wir es für das nutzen, was es am besten kann”, betont die Studienautorin.

„Wir müssen ein authentisches Leben führen. Wir müssen alle unsere Sinne einsetzen, draußen sein, jedes Wetter erleben und andere Menschen treffen. Wenn wir unser Gehirn nicht herausfordern, kann es sein volles Potenzial nicht ausschöpfen. Und das kann sich auf die schulischen Leistungen auswirken”, resümiert Professorin Audrey van der Meer. (as)

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