Gesundheit

Keine Angst vor künstlicher Ernährung

Nicht nur in Krankenhaus- und klinikversorgenden Apotheken ist die enterale Ernährung ein Thema. Auch Offizinapotheker werden gelegentlich mit Fragen konfrontiert, die sich aus dieser speziellen Art der Ernährung, ihren Methoden und Komplikationen ergeben. Die Ernährungsmedizin ist ein Gebiet, auf dem auch ärztliches und pflegerisches Personal immer wieder pharmazeutischen Rat sucht – eine gute Möglichkeit, sich nicht nur als Experte für Arzneimittel zu profilieren. 

„Es gehört nicht nur zum Recht eines jeden Menschen, sondern speziell zum Recht eines jeden Patienten, jeden Tag gut ernährt zu sein“, so wird der „Vater der parenteralen Ernährung“ Arvid Wretlind zitiert, der bereits Ende der 1940er-Jahre Aminosäurenlösungen entwickelte und später die parenteralen Fettemulsionen. Damit legte er die Basis der künstlichen Ernährung. Heute steht von der Neonatologie über Gastroenterologie und Bauchchirurgie bis zur onkologischen oder geriatrischen Palliativmedizin ein breites Spektrum an Sondennahrungen und Anwendungstechniken für jeden individuellen Fall zur Verfügung.

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In den Leitlinien Enterale und Parenterale Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) wird vorgegeben, dass in Kliniken Ernährungsteams alle Entscheidungen über eine klinische Ernährung treffen. Diesen Teams gehören neben dem behandelnden Arzt auch Pflegekräfte, Ernährungsfachkräfte sowie Apotheker an. Eine pharmazeutische Aufgabe im Rahmen eines Medikationsmanagements kann hier die Überprüfung des Medikationsplans auf appetitvermindernde Arzneimittel sein – und gegebenenfalls das Finden von Alternativen dazu.

Ist geklärt, dass sich ein Patient nicht auf normalem Wege ernähren kann, wird angepasst an die Bedürfnisse des Patienten der Kalorien- und Proteinbedarf ermittelt. Meist durch indirekte Kalorimetrie, basierend auf der Messung des Sauerstoffverbrauchs. Bei Patienten mit einem BMI unter 30 kg/m2 kann von einem Bedarf von 24 kcal pro kg Körpergewicht ausgegangen werden. Adipöse Patienten sollen hypokalorisch ernährt werden. 

Wann eiweißreiche Sondennahrung benötigt wird

Neben dem Kalorienziel spielt auch das Proteinziel eine große Rolle für die Genesung des Patienten. Dabei wird in der Akutphase einer Erkrankung ein Wert von 1,0 g/kg Körpergewicht angestrebt. Bestimmte Umstände wie Dialyse oder stark sezernierende Wunden erhöhen den Bedarf auf 1,2 g Protein/kg Körpergewicht. Dann sind besonders eiweißreiche Sondennahrungen zu wählen. Auf Intensivstationen kommen auch Proteinziele bis 1,5 g/kg Körpergewicht vor, weil im Stressstoffwechsel, angeregt durch Cortisol und Katecholamine, die Leber aus Aminosäuren große Mengen Glucose bildet. Meist wird dieser Bedarf durch eine Kombination von enteraler und parenteraler Ernährung gedeckt.

Ist die Art der enteralen Ernährung geklärt und die Indikation bestätigt, stellt sich die Frage, wie lange der Patient voraussichtlich enteral ernährt werden muss. Danach entscheidet sich, welche Sondenart angewendet wird. Den Ernährungsmedizinern steht heute eine Vielzahl von Sonden aus verschiedenen Materialien zur Verfügung. Jede hat ihre speziellen Eigenschaften, die sowohl in der täglichen Praxis der Ernährung als auch bei der Applikation von Arzneimitteln berücksichtigt werden müssen.

Sondenarten in der enteralen Ernährung

Welche Sonde – und wohin damit?

Im Beitrag „Welche Sonde – und wohin damit?“ von Markus Zieglmeier auf S. 60 in der DAZ 46 erfahren Sie mehr über die verschiedenen Sondenarten.

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