Gesundheit

Lauterbach will zurück zur telefonischen Krankschreibung

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will zurück zur elektronischen Krankmeldungen. Es soll vermieden werden Corona in die Praxen zu tragen. Das RKI meldet währenddessen eine steigende Inzidenz von 720,4 –  man geht aber von einer höheren Dunkelziffer aus. Alle News finden Sie hier im Corona-Ticker.

News zu Corona vom 14. Juli 2022

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RKI registriert 152.149 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 720,4

Donnerstag, 14. Juli, 05.20 Uhr: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstagmorgen mit 720,4 angegeben. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.00 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 691,8 gelegen (Vorwoche: 690,6; Vormonat: 447,3). Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage.

Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen und Übermittlungsprobleme zur Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 152.149 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 135 402) und 145 Todesfälle (Vorwoche: 108) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen und Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 29.460.249 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

"Vorsgespräche laufen": Lauterbach kündigt Rückkehr der telefonischen Krankschreibung an

09.58 Uhr: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat angekündigt, dass die telefonische Krankschreibung wieder eingeführt werden soll. "Die Vorgespräche dazu laufen. Bei den hohen COVID Fallzahlen brauchen wir nicht die Infektionen in die Praxis zu tragen", teilte er auf Twitter mit.

Zuvor hatte das auch die Kassenärztlichen Bundesvereinigung gefordert (siehe unten).

"Infektionen nicht in Praxen tragen": Lauterbach will zurück zur telefonischen Krankschreibung

21.18 Uhr: Bei Anruf Krankschreibung – was bis Ende Mai wegen Corona möglich war, sollte nach dem Willen von Ärztevertretern für bestimmte Patienten dauerhaft möglich sein. "Wir wollen ermöglichen, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte unabhängig von der Corona-Pandemie bekannte Patientinnen und Patienten telefonisch krankschreiben können", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) steht der Forderung aufgeschlossen gegenüber.

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, nannte es angesichts zahlreicher Fälle von Erkältungs- und Corona-Erkrankungen "ein echtes Ärgernis", dass die Möglichkeit zur telefonischen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit (AU) nicht in die Regelversorgung übernommen worden sei. "Die Telefon-AU würde für eine echte Entlastung sorgen", sagte Weigeldt der dpa.

Gesundheitsminister Lauterbach nannte eine Rückkehr zur telefonischen Krankenschreibung richtig. Sie solle bald beschlossen werden. Vorgespräche dazu liefen. "Bei den hohen Covid-Fallzahlen brauchen wir nicht die Infektionen in die Praxis zu tragen", betonte der Minister auf Twitter.

Verursachte Corona-Ausbruch: Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen ehemalige Pflegerin

Dienstag, 12. Juli, 15:27 Uhr: Weil sie einen Corona-Ausbruch mit Toten in einem Pflegeheim verursacht haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Hildesheim Anklage gegen eine 45-Jährige erhoben. Der früheren Mitarbeiterin des Heimes werde fahrlässige Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zur Last gelegt, teilte die Behörde am Dienstag mit. Sie habe trotz einer Corona-Infektion ihres bei ihr lebenden Sohnes zunächst weiter gearbeitet. Über die Infektion ihres Sohnes informierte sie ihren Arbeitgeber am 26. November 2021. Daraufhin durfte sie weiter arbeiten, weil das Heim irrtümlich annahm, sie sei doppelt geimpft. Eigentlich hätte sie sich in Quarantäne begeben müssen.

Bodo Marks/dpa/Archivbild Bewohner gehen mit Rollatoren auf einem Gang in einem Pflegeheim (Symbolbild).  

Die Frau soll spätestens drei Tage später unbemerkt selbst mit dem Coronavirus infiziert gewesen sein und einen Arbeitskollegen in einer Kaffeepause angesteckt haben. In der Folge infizierten sich drei weitere Mitarbeiter sowie elf Bewohner. Drei 80, 85 und 93 Jahre alte Bewohnerinnen starben. Die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben laut Staatsanwaltschaft, dass die Corona-Infektion bei der 80-Jährigen todesursächlich war. Bei den beiden anderen Geschädigten seien andere Ursachen nicht auszuschließen.

Die Frau hatte sich am 30. November krankgemeldet. Eine Woche später soll sie das Heim über die Krankenhaus-Einweisung ihres ebenfalls an Covid-19 erkrankten Partners informiert haben. Bei diesem Gespräch soll der Arbeitgeber sie an die Vorlage ihres Impfausweises erinnert haben. Die Frau schickte ein Foto eines Ausweises, der sich als Fälschung herausstellte. Die Ermittlungen wegen Urkundenfälschung laufen in einem gesonderten Verfahren.    

Die Ermittler hatten die PCR-Abstriche der gestorbenen Bewohnerinnen, der Verdächtigen und ihres zwischenzeitlich gestorbenen Partners näher untersuchen lassen. Demnach könne eine zusammenhängende Infektionskette vermutet werden, hieß es. Allerdings sei die Probe der Angeschuldigten im Labor versehentlich vernichtet worden.

EU-Behörden empfehlen zweiten Corona-Booster für Über-60-Jährige

Montag, 11. Juli, 11.37 Uhr: Die EU empfiehlt Menschen über 60 Jahren eine zweite Corona-Auffrischungsimpfung. "Angesichts des erneuten Anstiegs der Fälle und Krankenhauseinweisungen mit Beginn des Sommers fordere ich alle auf, sich so schnell wie möglich impfen und boostern zu lassen", erklärte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Montag laut einer Mitteilung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC und der EU-Arzneimittelbehörde EMA. "Wir haben keine Zeit zu verlieren."

Kyriakides forderte die EU-Mitgliedstaaten auf, "sofort zweite Booster-Impfungen" für Menschen ab 60 und andere besonders anfällige Menschen bereitzustellen.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bislang eine zweite Booster-Impfung für Menschen ab 70 Jahren, Risikopatienten sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Beschäftigte im medizinischen Bereich und in Pflegeeinrichtungen. Angesichts der leichten Übertragbarkeit der Omikron-Variante des Coronavirus liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei 661,4 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern.

Der Deutsche Hausärzteverband hatte die Bundesregierung am Freitag zu einer neuen Impfkampagne im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. Gebraucht werde "eine positive Impfkampagne – nicht nur für die vierte Impfung, sondern auch um die Impflücken bei der ersten und der dritten Impfung zu schließen", sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

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    Sonntag, 10. Juli, 11.01 Uhr: Die bei manchen Corona-Infektionen auftretenden gesundheitlichen Langzeitfolgen sind nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nicht nur für die Betroffenen ein Problem, sondern auch für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft insgesamt. "Wir haben nicht im Ansatz die Kapazität, die vielen Fälle zu versorgen", sagte er im Interview mit "Zeit Online". "Es gibt nicht genügend spezialisierte Ärzte, nicht genügend Behandlungsplätze, wir haben noch keine Medikamente. Hier kommt wirklich etwas auf uns zu." Die mit Long Covid verbundenen Probleme würden allgemein unterschätzt.

    Der SPD-Politiker sagte: "Das wird auch für den Arbeitsmarkt relevant sein, weil viele leider nicht mehr zu ihrer alten Leistungsfähigkeit zurückkehren werden." Er hoffe auch deshalb auf einen Impfstoff, der auch gegen eine Ansteckung mit der Omikron-Variante helfe. "Denn dieser schützt hoffentlich nicht nur vor einem schweren Verlauf, sondern auch vor einer Infektion und damit auch vor Long Covid", führte der Minister weiter aus. Jede Corona-Infektion berge das Risiko von Long Covid, hatte Lauterbach am Samstag bei Twitter gewarnt.

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