Gesundheit

Mein liebes Tagebuch

Vielleicht tut sich noch was im Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) – es gibt Änderungsanträge fürs VOASG: EU-Versender sollen sich an die strengen Temperaturanforderungen beim Arzneimitteltransport halten müssen. Hoffentlich werden die Vorschriften ins VOASG aufgenommen. Denn die sogenannten Grenzapotheken, also die Arzneiversandunternehmen an der deutsch-niederländischen Grenze, sollen sich in unsere Telematikinfrastrukur mit Heilberufsausweis und Institutionskarte einloggen können. Das Bundesgesundheitsministerium will das so: Die ausländischen Versender sollen Zugang zu E-Rezept und E-Patientenakte haben. Da rollt unsere Regierung den ausländischen Versendern den roten Teppich aus: Kommt, macht unsere kleinen Apos platt!

19. Oktober 2020

Es gibt sie immer noch, die alten Neid-Vorurteile: Apothekers treiben sich gerne auf Golfplätzen herum und fahren einen Porsche. In welcher Zeit müssen diejenigen, die sich solcher Vorurteile bedienen, stehen geblieben sein? – Ja freilich, es gab schon bessere Zeiten für Apothekers, vielleicht in den 70er oder 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen der eine oder die andere gut verdiente. Und ja, es gibt auch heute noch vereinzelt große Apotheken-Unternehmen, aber das sind nur Ausnahmen. Die durchschnittliche Apotheke gehört heute eher zu den kleinen mittelständischen Unternehmen mit Inhabern, die hart für ihr Einkommen arbeiten müssen, für Einkommen, bei denen weiß Gott nicht die Porsche-Leasingverträge üblich sind. Das sollte vielleicht auch mal für den einen oder anderen Ministerialen im Brandenburger Wirtschaftsministerium zum Allgemeinwissen gehören. Dass da noch Nachholbedarf ist, zeigt die Äußerung eines Abteilungsleiters im Brandenburger Wirtschaftsministerium, der im Zusammenhang mit den von der AvP-Insolvenz betroffenen Apotheken gesagt haben soll: „Apotheker könnten ihren Porsche auch ein halbes Jahr später bestellen“ und damit unterstreichen wollte, dass in Not geratene Apotheken wohl keine staatliche Unterstützung bräuchten. Na, mein liebes Tagebuch, wenn das wirklich die Denke dort ist… Immerhin, das Wirtschaftsministerium ruderte ein bisschen zurück: Versatzstücke aus Gesprächen, Missverständnisse, unglücklich gewähltes Beispiel und so weiter, das Übliche eben. Immerhin räumte dieser Abteilungsleiter ein, ihm sei bewusst, dass die Situation für viele Apotheken, die durch die AvP-Insolvenz betroffen seien, kritisch sei. Ja, mein liebes Tagebuch, wie lange dauert es noch, bis solche niederen Vorurteile verschwinden?

 

Man glaubt es nicht! Jetzt fällt dem einen oder anderen Bundestagsabgeordneten ein, dass es doch besser wäre, wenn es strengere Regeln für Versender im Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) gäbe. Jetzt, wo das VOASG schon auf der Zielgeraden ist und kurz vor seiner endgültigen Verabschiedung am 29. Oktober steht. Zum Beispiel der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger, der seine Fraktionskollegen um Unterstützung darum bittet, die Kontrollen von Arzneimittellieferungen der EU-Versender zu verschärfen. Er fordert sogar, dass auch die sogenannten Grenzapotheken (wie z. B. DocMorris) den deutschen Regeln für den Arzneimittelversand unterworfen werden sollen. Ja mei, super, mein liebes Tagebuch, aber kommen diese Forderungen nicht a bisserl spät? Zu spät? Nun ja, vielleicht kommen die Forderungen gerade noch zum richtigen Zeitpunkt. Denn so, wie es aussieht, könnte sich vielleicht doch noch etwas im VOASG tun. Die jüngsten Formulierungshilfen für Änderungsanträge zum Gesetzentwurf sehen entsprechende Nachjustierungen im Apothekengesetz und der Apothekenbetriebsordnung vor. So soll klargestellt werden, dass sich auch die EU-Versender an die Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung halten müssen. Konkret: Arzneimittel müssen so verpackt, transportiert und ausgeliefert werden, dass ihre Qualität und Wirksamkeit erhalten bleibt; vor allem die geltenden Temperaturanforderungen müssen während des Transports bis zur Abgabe an den Empfänger eingehalten werden. Mein liebes Tagebuch, da könnte sich also noch in letzter Minute etwas bewegen, wenn der Gesundheitsausschuss des Bundestages die Änderungsanträge beschließt. Und sollte es so kommen, dann bleibt halt immer noch die Frage: Wie werden die Versender überwacht und was, wenn sie sich nicht an die Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung halten?

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