Gesundheit

Neuseeland erlebt größte Corona-Welle seit langem – und räumt Scheitern seiner Null-Covid-Strategie ein

Nach einem größeren inländischen Corona-Ausbruch hat Neuseeland ein Scheitern seiner ehrgeizigen Null-Covid-Strategie eingeräumt. "Das Ausmaß der Ansteckungen und die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus verbreitet hat, hat unser System trotz aller Vorbereitungen unter Druck gesetzt", sagte der mit der Gesundheitspolitik beauftragte Minister Chris Hipkins am Sonntag dem Sender TVNZ. Der jüngste Ausbruch mit der ansteckenderen Delta-Variante des Virus sei schwierig einzudämmen und werfe "große Fragen" hinsichtlich der Corona-Strategie der Regierung auf.

Nach dem Auftreten eines im Inland übertragenen Corona-Falls wurden dem Minister zufolge inzwischen 71 Menschen positiv auf das Virus getestet. Die Delta-Variante sei "mit nichts zu vergleichen, womit wir es in dieser Pandemie bislang zu tun hatten", sagte Hipkins. "Es bedeutet, dass alle unsere bisherigen Vorbereitungen weniger sinnvoll erscheinen und wirft einige ziemlich große Fragen zur Zukunft unserer langfristigen Pläne auf."

Corona-Pandemie


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Kritik von der Opposition an Impfkampagne

Am Dienstag hatte der Pazifikstaat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters 41 neue Corona-Infektionen registriert – so viele wie seit April 2020 nicht mehr. Die Zahl der aktuellen Infektionen liege damit bei 148, sagte Ashley Bloomfield, Generaldirektorin des Gesundheitsministeriums, auf einer Pressekonferenz. Aber: "Es ist beruhigend, dass wir keinen exponentiellen Anstieg sehen", sagte Bloomfield und fügte hinzu, dass die meisten Fälle, die in Auckland gemeldet wurden, darauf hindeuteten, dass Infektionen nicht weit verbreitet gewesen seien. Das Gesundheitsministerium erwarte dennoch einem Anstieg der Infektionszahlen.

Der Oppositionspolitiker Chris Bishop kritisierte, der jüngste Ausbruch verdeutliche, dass die Regierung sich zu wenig um das Fortschreiten der Impfkampagne gekümmert habe. "Die Selbstgefälligkeit der Regierung und ihre Unfähigkeit, die Versorgung und Lieferung des Impfstoffs sicherzustellen, hat uns alle zur leichten Beute gemacht", sagte er.

In Neuseeland sind nach Informationen des Datenportals "Our World in Data" mehr als 34 Prozent der Menschen mindestens einmal und rund 20 Prozent vollständig geimpft. Zum Vergleich: In Deutschland sind nach aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts mehr als 64 Prozent der Menschen erstgeimpft und rund 59 Prozent vollständig.

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Neuseeland schottete sich weitgehend ab

Neuseelands weithin gelobte Null-Covid-Strategie hat die vollständige Eliminierung des Virus in der Bevölkerung zum Ziel. Der Inselstaat mit fünf Millionen Einwohnern hat sich seit März 2020 weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Strenge Grenzkontrollen und Quarantäne-Auflagen sollen verhindern, dass das Virus aus dem Ausland eingeschleppt wird. Damit galt Neuseeland als Vorbild im Kampf gegen Corona: Seit Beginn der Pandemie gab es nur 26 Todesfälle durch Covid-19. Im April hatte die Regierung einen Reisekorridor mit dem Nachbarland Australien eröffnet, der aber Ende Juli wegen einer Corona-Welle beim großen Nachbarn wieder geschlossen wurde.

Nach einem einzigen im Inland übertragenen Corona-Fall hatte die neuseeländische Regierung am Dienstag einen dreitägigen landesweiten Corona-Lockdown verhängt. Es war die erste einheimische Übertragung des Coronavirus seit sechs Monaten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums handelte es sich um einen 58-Jährigen in Auckland, der größten Stadt des Landes.

Impfungen für 12- bis 15-Jährige zugelassen

Der landesweite Lockdown ist wegen der steigenden Corona-Fälle verlängert worden. Ministerpräsidentin Jacinda Ardern kündigte am Montag in der Hauptstadt Wellington an, dass die strengen Auflagen in dem gesamten Pazifikstaat nun mindestens bis Samstag gelten. Zuvor waren 35 neue Fälle bekannt geworden. Die meisten Ansteckungen des derzeitigen Ausbruchs wurden in Auckland auf der neuseeländischen Nordinsel registriert, der größten Stadt des Landes. Auch die Hauptstadt selbst ist betroffen.

Die meisten Geschäfte und die Schulen sind nun zu. Ardern sagte: "Wir brauchen mehr Informationen. Wir wollen mit Delta kein Risiko eingehen. Wenn uns die Welt etwas gelehrt hat, dann ist es, mit dieser Variante vorsichtig zu sein."

Um dem Corona-Ausbruch Herr zu werden, hat die Inselnation Impfungen für 12- bis 15-Jährige mit dem Mittel von Pfizer/Biontech zugelassen. Impfungen seien ab dem 1. September möglich, sagte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern am vergangenen Donnerstag. Kinder und Jugendliche der Altersgruppe könnten sich auch schon ab sofort impfen lassen, wenn sie ihre Eltern zu deren Terminen begleiteten. Einem Bericht der Zeitung "New Zealand Herald" zufolge wurden einige Kinder und Jugendliche schon kurz nach Arderns Statement geimpft. Bisher waren Corona-Impfungen in dem Land für Menschen ab 16 Jahren erlaubt.

Weitere Quellen: Nachrichtenagentur Reuters, "Our World in Data", RKI-Impfdashboard

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