Gesundheit

RKI: 1000 Infektionen mehr als in der Vorwoche – Inzidenz reißt die 20er-Marke

Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie: Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt immer weiter – und liegt aktuell bei 23,1. Die Zahl der Neuinfektionen steigt im Vergleich zur Vorwoche deutlich. Alle aktuellen News zur Corona-Pandemie finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

News zu Corona in Deutschland vom 9. August

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Virologe Schmidt-Chanasit: Corona-Entwicklung in Großbritannien macht Hoffnung

06.00 Uhr: Für den Hamburger Virologen Jonas Schmidt-Chanasit macht die Entwicklung in Großbritannien nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen trotz hoher Inzidenz Hoffnung. «Die Entwicklung in Großbritannien zeigt, dass man nicht einfach behaupten kann: "Wenn wir fast alle Maßnahmen aufheben, läuft alles aus dem Ruder". Wir sehen jetzt genau das Gegenteil», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage dort sei zwar nicht eins zu eins auf andere Länder übertragbar. «Aber das macht doch Hoffnung, dass man durch die Impfungen so etwas erreichen kann, dass man trotz Aufhebung fast aller Maßnahmen auch sinkende Fallzahlen sieht und keine Überlastung des Gesundheitssystem.»

Die britische Regierung hatte am 19. Juli im Rahmen eines «Freedom Days» (Freiheitstags) fast alle Corona-Einschränkungen zurückgenommen und stattdessen an die Eigenverantwortung der Bürger appelliert – trotz stark steigender Fallzahlen. Zu dem Zeitpunkt hatten 88 Prozent der Erwachsenen eine erste Impfung erhalten. Knapp 68 Prozent waren bereits zwei Mal geimpft. Die Infektionen waren in den Tagen darauf zurückgegangen und auch zuletzt nur wieder vergleichsweise leicht gestiegen. dpa/Christian Charisius/dpabild Jonas Schmidt-Chanasit nimmt an einer Pressekonferenz teil.

"Das lässt sich aber wie gesagt nicht eins zu eins übertragen", sagte Schmidt-Chanasit. "Zumal in Großbritannien hauptsächlich der Impfstoff von Astrazeneca verwendet wurde und mehr Menschen bereits geimpft sind." Für Deutschland riet er deshalb zur Vorsicht. "Und es ist vor allen Dingen ja immer auch eine politische Entscheidung." Ob man einen "Freiheitstag" wie in Großbritannien mache, «müssen wir als Gesellschaft diskutieren».

Gleiches gelte für die Forderung der deutschen Musikclubbetreiber nach schrittweiser Aufhebung aller Corona-Auflagen für ihre Betriebe bis Oktober. Als Virologe könne er das nicht entscheiden, als Bürger sei für ihn aber ein Endpunkt erreicht, wenn alle ein Impfangebot erhalten hätten, sagte Schmidt-Chanasit. "Aufgabe der Politik war es ja sicherzustellen, dass alle die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen und weiterhin daran zu arbeiten, noch besser zugängliche Impfangebote zu machen. Aber bezüglich der Grundrechtseinschränkung ist das sicherlich ein Wendepunkt, an dem man sich genau überlegen muss: können wir weiter Grundrechte einschränken?"

1183 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – Bundesweite Inzidenz steigt auf 23,1

Montag, 9. August, 05.56 Uhr:  Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montagmorgen lag sie bei 23,1 – am Vortag hatte der Wert 22,6 betragen, vor einer Woche lag er bei 17,8. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 1183 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.08 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 847 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden zwei Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche war es ein Todesfall gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.791.949 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.667.400 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.784.

Massen-Coronatest aller elf Millionen Einwohner Wuhans abgeschlossen

18.22 Uhr: Die chinesische Stadt Wuhan, die als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie gilt, hat nach Behördenangaben einen Massentest ihrer mehr als elf Millionen Einwohner abgeschlossen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete am Sonntag unter Berufung auf den Behördenvertreter Li Tao, dass seit Dienstag fast alle Einwohner getestet worden seien – mit Ausnahme von Kindern unter sechs Jahren und Studenten, die in den Semesterferien verreist seien.

In Wuhan war Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd des damals neuartigen Coronavirus gemeldet worden. Die Millionenstadt in der Provinz Hubei wurde daraufhin komplett abgeriegelt, die letzten Infektionsfälle in Wuhan wurden vor gut einem Jahr gemeldet. Li Bo/Xinhua/AP/dpa Massen-Coronavirus-Tests in Wuhan

Vergangene Woche hatten die Behörden dann sieben neue Corona-Fälle bei Wanderarbeitern in Wuhan bekanntgegeben. Bei dem daraufhin angeordneten Massentest wurden laut Xinhua bis Samstag 37 symptomatische und 41 asymptomatische Infektionsfälle entdeckt.

Auch in anderen Teilen der Volksrepublik breitet sich derzeit die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus aus. Im Kampf gegen den größten Corona-Ausbruch seit Monaten wurden schon mehrere chinesischen Städte unter einen Lockdown gestellt, Reisebeschränkungen verhängt und Millionen Menschen getestet.

Zutritt zu Restaurants und Cafés in Frankreich nur noch mit Gesundheitspass

17.44 Uhr: In Frankreich sind unter anderem Restaurantbesuche und Zugreisen ab Montag nur noch mit einem Nachweis über Corona-Impfung, Genesung oder einen negativen Test erlaubt. Gleichzeitig tritt eine Corona-Impfpflicht für Gesundheitspersonal in Kraft. Die verschärften Gesundheitsregeln sollen für Personen über 18 Jahre bis Mitte November gelten. Gegen die umstrittenen Maßnahmen haben erst wieder am Wochenende über 200 000 Menschen landesweit demonstriert.

Der Nachweis über eine vollständige Impfung, Genesung oder negativen Test wird damit nun in Restaurants, Cafés, Zügen, Fernreisebussen, Flugzeugen, auf Messen und in Gesundheitseinrichtungen Pflicht. Der digitale Gesundheitspass wird bereits seit Mitte Juli in Kinos, Museen oder bei Großveranstaltungen verlangt. Für Minderjährige im Alter von 12 bis 17 Jahren soll der Nachweis ab 30. September zwingend werden. Mitarbeiter im Gesundheitsbereich haben bis zum 15. September Zeit, um sich impfen zu lassen.  Getty Images/AlexKozlov Menschen sitzen vor einem Café in Paris

Wie Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran der Tageszeitung "Le Parisien" am Sonntag sagte, darf der negative Test nun maximal 72 Stunden zurückliegen statt 48 Stunden wie ursprünglich vorgesehen. Auch ein Selbsttest könne als Zertifikat dienen, vorausgesetzt, er werde unter Aufsicht eines medizinischen Fachpersonals durchgeführt. 

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron will mit den umstrittenen Regeln gegen die steigenden Corona-Neuinfektionen kämpfen. Die Corona-Situation in Frankreich ist generell angespannt. Die Inzidenz lag zuletzt bei gut 230. Mittlerweile sind unter den 67 Millionen Einwohnern etwa 63 Prozent mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist vollständig geimpft.

In Dresden fällt Maskenpflicht beim Einkaufen weg

16.56 Uhr: In der Landeshauptstadt Dresden ist seit Sonntag die Maskenpflicht beim Einkaufen wieder weggefallen. Voraussetzung dafür ist laut sächsischer Corona-Schutzverordnung eine stabile Corona-Inzidenz unter 10. Liegt der Wert fünf Tage hintereinander unter dieser Marke, dann kann zwei Tage später gelockert werden. Dresden hatte die fünf Tage am Freitag voll gemacht.

Wie lange nun im Supermarkt, in Lokalen oder in Kultureinrichtungen wieder keine Maske getragen werden muss, ist allerdings offen. Am Sonntag wies Dresden laut Robert Koch-Institut schon wieder eine Inzidenz von 9,2 aus. Ohnehin gab es in Dresden in den vergangenen zwei Wochen ein Hin- und Her bei der Maskenpflicht beim Shoppen. Erst fiel sie wegen niedriger Werte weg, dann galt sie kurz wieder, und nun ist sie wieder weggefallen. imago images/Roland Mühlanger

In Leipzig müssen die Menschen seit dem 3. August wieder Maske im Supermarkt tragen. Den höchsten Corona-Wert wies am Sonntag der Landkreis Leipzig mit 15,5 aus. Diese Region liegt allerdings noch nicht fünf Tage in Folge über der 10er-Grenze, sodass dort noch keine verschärften Regeln gelten. Alle anderen Landkreise und die Stadt Chemnitz liegen unter dem 10er-Wert.

Als erstes Bundesland reißt Hamburg wieder die 50er-Inzidenz

16.48 Uhr: Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen in Hamburg ist erstmals seit fast drei Monaten wieder auf mehr als 50 gestiegen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde kletterte die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in Hamburg binnen sieben Tagen am Samstag auf 54,5 und erhöhte sich am Sonntag sogar auf 56,5. Ähnlich hohe Werte hatte die Behörde zuletzt Mitte Mai mit 53,8 registriert.

Damit reißt Hamburg als erstes Bundesland wieder die 50er-Marke. Dahinter liegt Schleswig-Holstein mit einer Inzidenz von 40,8. In Berlin liegt der Wert bei 37,9.

Auf die Corona-Einschränkungen in Hamburg hat das Überschreiten der 50er-Marke zunächst jedoch keinen Einfluss. "Inwiefern weitere Maßnahmen zu treffen sind oder gegebenenfalls andere Indikatoren eine wichtige Rolle neben der Inzidenz spielen könnten, wird Gegenstand der Beratungen der MPK (Ministerpräsidentenkonferenz) am Dienstag sein", sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde der Deutschen Presse-Agentur.

Den bisherigen Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern zufolge können die Länder bei einer Inzidenz von über 50 Neuinfektionen zum Beispiel das Einkaufen einschränken und wieder zum Terminshopping "Click and Meet" wechseln. Auch auf den Sport und die Öffnungsmöglichkeiten für Kinos, Theater, Museen und Konzerthäuser kann eine Inzidenz von über 50 Einfluss haben.

Am Sonntag kamen nach Behördenangaben 153 neu bestätigte Infektionen hinzu – 115 weniger als am Vortag, aber 39 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus gestorbenen Menschen stieg den Angaben zufolge am Samstag um zwei auf 1626. Seit Beginn der Pandemie wurden in Hamburg nach Angaben der Behörde 80.239 Infektionen mit dem Coronavirus gezählt. 76.800 Menschen gelten als genesen.

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