Gesundheit

Röteln in Deutschland eliminiert

„Mit dem neuen internationalen Strategischen Rahmenplan 2021 – 2030 haben sich erstmals alle sechs WHO-Regionen zum Eliminationsziel für Masern und Röteln verpflichtet oder unterstützen dieses Ziel“, das geht aus dem Epidemiologischen Bulletin des RKI vom 15. April hervor. Für Deutschland gibt es im Jahr 2020 erste erfreuliche Ergebnisse: Durch die COVID-19-Pandemie ist die Masernfallzahl um 85,5 Prozent zurückgegangen, Masern gelten aber nach wie vor als endemisch. Röteln hingegen gelten seit 2020 in Deutschland als eliminiert.

Impfungen und Infektionskrankheiten standen schon lange nicht mehr so im Zentrum wie heute. Fast vergessen erscheinen im Pandemiegeschehen die zuletzt weltweit besorgniserregenden Masernfallzahlen – und die teils kontrovers geführte Diskussion zur Einführung der Masernimpfpflicht.

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Die Regionale Verifizierungskommission der Europäischen WHO-Region (RVC) kam bereits für das Jahr 2018 auch tatsächlich zu dem Schluss, dass nach Prüfung der von den 53 Mitgliedsstaaten eingereichten Daten im Jahr 2019 35 Staaten (66 Prozent) den Status der Masernelimination und 39 Staaten (74 Prozent) den Status der Rötelnelimination erreicht hatten. Es wurde jedoch eine weltweit teilweise erheblich angestiegene Maserntransmission in den Jahren 2017 bis 2019 festgestellt. „In 12 Staaten galt die Verbreitung der Masern weiterhin als endemisch, in 11 Staaten die Verbreitung der Röteln (so auch in Deutschland).“ Nun gelten die endemischen Röteln seit 2020 in Deutschland nach Auffassung der RVC aber als eliminiert, heißt es im Epidemiologischen Bulletin vom 15. April. 

Entsprechend dem „Global Vaccine Action Plan“ wurde dieses Ziel gerade noch rechtzeitig erreicht. Denn im Mai 2012 hatte die Weltgesundheitsversammlung mit 194 Mitgliedsstaaten den „Global Vaccine Action Plan“ verabschiedet, von dem einer der Zielindikatoren war, dass bis 2020 Masern und Röteln in mindestens fünf der sechs Regionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eliminiert sein sollten.

Unterbrechung der endemischen Röteln-Transmission „rückwirkend“ zuerkannt 

In Deutschland gibt es die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln (NAVKO), die seit 2013 besteht. Diese ging auf Basis ihrer Erkenntnisse davon aus, dass eine Unterbrechung der endemischen Transmission der Röteln tatsächlich schon seit Jahren erreicht worden war. Doch der RVC hatte diese Einschätzung bislang nicht unterstützt – „unter anderem aufgrund der überwiegend fehlenden Laborbestätigungen der übermittelten Fälle“. Im Dezember 2020 wurde dann mitgeteilt, dass Deutschland „rückwirkend“ für die Jahre 2017 bis 2019 eine Unterbrechung der endemischen Transmission über 36 Monate zuerkannt wurde – und damit der Status der Elimination der Röteln. 

Im Jahr 2020 wurden dem RKI nur 18 Rötelnfälle übermittelt.

„Die Elimination der Masern und Röteln ist entsprechend der Definition der WHO erreicht, wenn die Mitgliedsstaaten eine Unterbrechung der endemischen Virus-Transmission für mindestens 36 Monate mit Hilfe eines qualitativ hochwertigen Surveillancesystems nachweisen können.“ 

Quelle: Epidemiologisches Bulletin 15/2021

Bei den Masern kam die RVC jedoch zu einem anderen Schluss. Sie sprach Deutschland für 2018 und 2019 den Status der endemischen Masernvirus-Transmission zu. Während die NAVKO für diesen Zeitraum eine Unterbrechung der endemischen Transmission in Deutschland annimmt. 

Im Jahr 2020 ist die Masernfallzahl in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren seit 2016 – pandemiebedingt – laut dem Epidemiologischen Bulletin sogar um 85,5 Prozent zurückgegangen. Dem RKI seien mit Stand 1.März 2021 insgesamt „nur 76“ Fälle übermittelt worden, die bis auf einen importierten Fall im November, von Januar bis April aufgetreten seien. Das sei sogar die niedrigste jährliche Fallzahl, die seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 an das RKI übermittelt wurde. Die Daten für das Jahr 2020 sollen Anfang Mai an die RVC verschickt werden. 

Doch auch in Deutschland sieht man die Gefahr, dass eine Normalisierung des öffentlichen Lebens nach den Pandemiemaßnahmen auch zu einem Wiederaufflammen der Masern führen wird. Die Masernimpfung bleibe demzufolge unabdingbar.

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