Gesundheit

Saar: Raus aus der Hilfsmittelversorgung?

Der Präsident der Apothekerkammer des Saarlands, Manfred Saar, zweifelt daran, ob Apotheken sich weiterhin an der Hilfsmittelversorgung beteiligen sollten. Der damit verbundene Aufwand sei kaum zu rechtfertigen – und ein Kontrahierungszwang bestünde schließlich nur für Arzneimittel, sagte er bei der Versammlung der Apothekerkammer des Saarlands am vergangenen Mittwochabend. Erfreulich: Im Saarland steigt mit der IKK Südwest zur kommenden Grippesaison bundesweit erstmals eine Kasse in ein Modellprojekt zur Grippeimpfung in den Apotheken ein, die nicht zu den AOKen zählt.

In Zeiten der Pandemie übernehmen Apotheken viele zusätzliche Aufgaben, die deutlich über die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln hinausgehen. Auch wenn es sich dabei zumeist um zeitlich befristete Projekte handelt: Aus der Sicht von Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlands, wird sich diese Entwicklung verstetigen. Ob Grippeimpfung, pharmazeutische Dienstleistungen oder möglicherweise auch Corona-Auffrischimpfungen: Das Leistungsspektrum der stationären Apotheken wird sich verändern.

„Natürlich höre und verstehe ich meine Kollegen und Kolleginnen, die sagen: Wann sollen wir das noch alles leisten?“, betonte er bei der Online-Kammerversammlung am vergangenen Mittwochabend. „Meine Antwort lautet: Sie haben vollkommen recht.“ So wie die meisten Apotheken derzeit aufgestellt sind, sei das auf längere Sicht nicht machbar. „Wir werden uns zukünftig überlegen müssen, was wir leisten wollen und was vor allem auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Wenn wir mit betriebswirtschaftlichem Blick auf unsere Apotheken schauen, werden wir schnell unsere Schwachpunkte ausmachen: Wir verzetteln uns bei Heil- und Hilfsmitteln, bei Medizinprodukten und dem immensen Dokumentations-Aufwand, der daran gekoppelt ist.“

2 Prozent des Umsatzes, 25 Prozent des Aufwands

Nach Saars Schätzungen bringen Heil- und Hilfsmittel rund 2 Prozent des Apothekenumsatzes, verursachen aber etwa 25 Prozent des Aufwands. Das steht aus der Sicht des Präsidenten in keinem Verhältnis zueinander. „Wir müssen darüber nachdenken, ob man sich nicht radikal aus dieser Sparte verabschieden sollte.“ Ein Kontrahierungszwang bestehe nur bei Arzneimitteln – und die Versorgung der Menschen mit Medikamenten sei die originäre Aufgabe der Apotheken. „Im Ergebnis sollten wir uns auf das zurückziehen, was wir können: unser pharmazeutisches Kerngeschäft – und dieses ausbauen.“ Diesbezüglich böten sowohl die geplanten pharmazeutischen Dienstleistungen als auch Impfungen ein breites Betätigungsfeld.

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