Gesundheit

Schneller Verlauf, hohe Viruslast: Was über Trumps Corona-Infektion bekannt ist

Das Weiße Haus spricht offiziell von nur leichten Symptomen, Donald Trump gehe es gut. Der Flug mit dem Heli in eine Klinik: reine Vorsicht. Inzwischen wird Trump dort allerdings mit Remdesivir und einem Antikörper-Mix behandelt. Ein Überblick über das, was wir über die Corona-Infektion des US-Präsidenten wissen.

Offiziell heißt es, er habe nur leichte Symptome – trotzdem wird Donald Trump seit Freitagabend im Militärkrankenhaus Walter Reed nördlich von Washington (Bethesda; Maryland) behandelt. Eine reine Vorsichtsmaßnahme; es gehe dem Präsidenten „sehr gut“.

Die Sorge, dass sich Trumps Gesundheitszustand verschlechtern könnte, ist allerdings groß. Zudem kursieren inzwischen erste Berichte, die sich auf den Beraterkreis des Präsidenten berufen, wonach Trump nicht nur unter Erschöpfung und Müdigkeit leiden soll, sondern auch Fieber, Husten und Atembeschwerden zeige. Was bislang bekannt ist.

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Wie sieht Trumps Therapie aus?

Trump erhält nach Aussage seines Leibarztes einen Mix aus verschiedenen Medikamenten und Vitaminen, die sein Immunsystem stärken sollen. Dazu zählt neben Zink, Vitamin D, Aspirin und dem Magenmittel Famotidin vor allem Remdesivir.

Der Wirkstoff, der im Frühsommer als erster weltweit zur Behandlung von Covid-19-Patienten zugelassen worden ist, soll verhindern, dass sich die Viren im Körper vermehren und ausbreiten. Ursprünglich war das Präparat gegen Ebola entwickelt worden. Damals hatte es sich als wirkungslos herausgestellt.

Das ersehnte Allheilmittel stellt Remdesivir auch gegen Covid-19 nicht dar; aber konnte es in Studien das Sterberisiko von schwererkrankten Patienten deutlich verringern. Bei stationär in der Klinik behandelten Corona-Patienten gehört es deshalb inzwischen zur Standardtherapie, wie Chefarzt und Infektiologe Clemens Wendtner jüngst im Gespräch mit FOCUS Online erklärte.

In Deutschland kommt es in der Regel bei Betroffenen zum Einsatz, die unter einem moderaten bis schweren klinischen Verlauf leiden; also unter Fieber, Atemwegsbeschwerden und einer verminderten Sauerstoffsättigung von deutlich unter 94 Prozent. Oft kommt dann zur Symptomatik eine schwere Lungenentzündung hinzu.

Normalerweise erhalten die Patienten in diesem Stadium auch das blutverdünnende Mittel Heparin; je schwerer ihr Verlauf, desto höher die Dosis. Das Arzneimittel soll eine vollständige oder zumindest teilweise Hemmung der Blutgerinnung bewirken und damit die Bildung von Blutpropfen (Thromben) verhindern.

Das Risiko dafür ist bei Covid-19-Patienten erhöht, weil der Erreger nach heutigem Wissensstand die Blutgerinnung im Körper empfindlich stören kann. Von Heparin ist auf dem Medikamentenplan von Trump bisher nicht die Rede. Allerdings hat auch das Schmerzmittel Aspirin, das Trump laut seines Leibarztes erhält, eine stark blutverdünnende Wirkung.

REGN-COV2 befindet sich noch in der Testphase

Neben diesen in der Corona-Behandlung mittlerweile etablierten Präparaten behandeln die Ärzte Trump offenbar auch mit einer speziellen Antikörper-Therapie. Das Medikament REGN-COV2 des US-Pharmakonzerns Regeneron befindet sich regulär noch in der Testphase. In den USA hatte der Hersteller kürzlich eine Notfallzulassung beantragt.

Trump lässt sich jetzt offenbar auch ohne Zulassung mit der Kombination zwei Antikörper-Typen per Infusion behandeln. Die Hoffnung: Die von extern aufgenommenen Antikörper wehren das Virus im Körper schnell und zuverlässig ab; unabhängig davon, ob und wie lange der Körper selbst brauchen würde, um eigene Antikörper dagegen zu bilden. Den Krankheitsverlauf und deren Zeit soll das deutlich verkürzen. Dass das durch den Antikörper-Cocktail gelingt, ist wissenschaftlich bisher allerdings nicht erwiesen. Experten haben die Entscheidung, den Präsidenten trotzdem damit zu behandeln, bereits heftig kritisiert.

„Es ist schlechte Wissenschaft, schlechte Medizin und schlechte Ethik, mächtigen Leuten unerprobte Dinge zu geben, die man normalen Leuten nicht gibt“, schrieb etwa Medizindozent Vinay Prasad von der Universität von Kalifornien in San Francisco auf Twitter.

Wie ist die Prognose für den weiteren Verlauf von Trumps Corona-Infektion?

Das lässt sich bisher nicht abschätzen. Erste Mediziner haben sich allerdings bereits zu Szenarien geäußert. Ezekiel Emanuel von der Universität Pennsylvania sagte etwa in der amerikanischen Rachel Maddow-Show: „Der Verlauf ist sehr schnell.“

Dies ließe befürchten, dass Trump einer sehr großen Menge Viren ausgesetzt gewesen sei, als er sich ansteckte und dass sein Organismus die Infektion nicht sehr gut bekämpfe. Emanuel betont, er habe den Präsidenten nicht untersucht und keine nähere Kenntnis seiner körperlichen Verfassung, er stelle lediglich Hypothesen auf. Aber: „Es scheint wirklich sehr schnell zu gehen.“

Wie lange muss Trump in der Klinik bleiben?

Das ist ebenfalls unklar. Zunächst war die Rede von mehreren Tagen gewesen; Trump wolle in dieser Zeit seine Amtsgeschäfte vom Krankenhaus aus weiterführen. Einen Anhaltspunkt bietet die Remdesivir-Behandlung: Sie dauert in der Regel insgesamt fünf bis maximal zehn Tage. Solange ein Patient das Medikament bekommt, ist laut RKI eine engmaschige Überwachung notwendig.

Wie geht es First Lady Melania Trump, die ebenfalls positiv auf Corona getestet worden ist?

Laut offiziellen Angaben geht es Melania Trump weiterhin gut. Sie habe lediglich einen leichten Husten und Kopfschmerzen. Anders als ihr Mann wird sie nicht im Krankenhaus behandelt.

Warum ist Trump ein Risikopatient?

Die wichtigste Rolle spielt sein Alter. Während jüngere Infizierte oft keine oder kaum Symptome entwickeln, sind es die Ü70-Jährigen, die in Folge einer Corona-Infektion am häufigsten auf der Intensivstation landen, beatmet werden müssen und schwere Folgeschäden davontragen oder Covid-19 nicht überleben. Laut einer RKI-Zählung waren 86 Prozent der bisher in Deutschland an oder mit Corona Verstorbenen über 70 Jahre alt.

Zudem ist Donald Trump mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 deutlich übergewichtig – auch das erhöht sein Risiko. Ebenfalls zu hoch: seine Cholesterinwerte. Warum das in Sachen Corona relevant ist? Weil sich Cholesterin in den Gefäßen ablagert und damit das Risiko erhöht, dass sich Covid-19-bedingte Blutpropfen in den Venen festsetzen und gefährliche Gefäßverschlüsse verursachen. Sie können schlimmstenfalls einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall verursachen.

Sogar, dass Trump ein Mann ist, fällt ins Gewicht. Männer entwickeln öfter schwere Verläufe und sterben doppelt so häufig an Covid-19 als Frauen. Möglicherweise liegt das an einem hormonell bedingten weiblichen Schutz oder Unterschieden im Immunsystem, vermutet die Wissenschaft. Diskutiert wird immer wieder auch das geringe Gesundheitsbewusstsein von Männern, etwa höherer Alkohol- und Zigarettenkonsum. Letzteres kann bei Donald Trump allerdings keine Rolle spielen: Er trinkt und raucht nicht.

Wer ist aus Trumps Umfeld darüber hinaus infiziert?

In den Tagen vor seinem positiven Corona-Test ist Trump viel gereist, er hielt sich in der Nähe Dutzender Menschen auf. Entsprechend werden gerade immer mehr positive Testergebnisse aus seinem Umfeld bekannt. In den Fokus gerät insbesondere eine Veranstaltung im Garten des Weißen Hauses vor einer Woche, als Trump die konservative Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den freien Posten am Obersten Gericht der USA vorstellte. Dort versammelten sich auf engem Raum mehr als 100 Menschen. Auf Fotos und Videos ist zu sehen, dass wenige Masken trugen oder Abstand hielten. Laut Fernsehsender CNN umarmten sich Teilnehmer oder schüttelten sich die Hände.

Bei mindestens sechs der Anwesenden fielen seitdem Corona-Tests positiv aus: Neben Trump und seiner Frau Melania sind das die frühere hochrangige Trump-Beraterin Kellyanne Conway – die nach eigenen Angaben am Freitagabend positiv getestet worden war und milde Symptome habe –, sowie die Senatoren Mike Lee und Thom Tillis und der Präsident der katholischen Universität Notre Dame, John Jenkins.

Zudem wurde inzwischen bekannt, dass sich auch Trumps Wahlkampfchef, Bill Stepien, und die republikanische Parteivorsitzende Ronna McDaniel angesteckt haben. Als erstes positiv getestet worden, war Trumps enge Beraterin Hope Hicks.

mit Informationen der dpa

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