Gesundheit

Vorbild für Deutschland? Trotz ähnlicher Inzidenz beendet Österreich harten Lockdown

Österreich beendet den harten Lockdown: Ab Montag öffnen Schulen und Geschäfte wieder, obwohl die Corona-Fallzahlen im Nachbarland auf deutschem Niveau sind. Doch es ist eine Lockerung mit Kalkül – und Kanzler Sebastian Kurz startet damit ein Experiment, das ein Vorbild für Deutschland sein könnte.

Nach sechs Wochen Corona-Lockdown öffnen in Österreich am Montag die Geschäfte wieder. Auch Kinder und Jugendliche dürfen – teilweise im Schichtbetrieb und mit regelmäßigen Corona-Tests – wieder in die Schule in den Präsenzunterricht gehen. Friseure können Kunden wieder die Haare schneiden. Es gelten verschärfte Hygienemaßnahmen. Das Tragen einer besonders schützenden FFP2-Maske wird nahezu überall Pflicht. Denn: Die Zahlen der Neuinfektionen sind weiterhin vergleichsweise hoch. Trotzdem beendet Österreich den harten Lockdown.

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„In den letzten beiden Wochen sind unsere Ansteckungszahlen nicht mehr gesunken, weil sich immer weniger Leute an die Vorschriften halten und sich wieder nach mehr Freiheit sehnen“, begründete Österreichs Kanzler Sebastian Kurz in der "Welt am Sonntag" den Schritt. Er fügte hinzu: „Es macht keinen Sinn, in einem strikten Lockdown zu verharren bei gleichzeitig sinkender Bereitschaft der Bevölkerung mitzumachen.“ Die Politik schließt einen weiteren Lockdown jedoch nicht aus.

Zielwert wurde in Österreich nie erreicht

Die Zahlen der durchschnittlichen täglichen Neuansteckungen in Österreich stagnierten zuletzt trotz Lockdowns. Am Sonntag wurden 1317 Neuinfektionen vermeldet. Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz lag bei 107 pro 100.000 Einwohner. Der deutsche Wert betrug 75,6. 

Bundeskanzler Sebastian Kurz nannte im Januar als Zielwert, dass es mit Ende des Lockdowns nur noch 600 bis 700 Neuinfektionen pro Tag geben dürfe – eine Inzidenz von etwa 50. Diese Werte wurden jedoch nie erreicht. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hofft nun, dass es trotzdem keinen weiteren Lockdown brauche. "Aber ausschließen kann das auf dieser Welt niemand", sagte er der "Kronen Zeitung".

Massiver Ausbau der Corona-Tests

Strikte Regeln gibt es jedoch auch ohne harten Lockdown: Für den Besuch eines körpernahen Dienstleisters, wie es Masseure oder Friseure sind, ist künftig ein negativer Corona-Test nötig. Das Ergebnis darf nicht älter als 48 Stunden sein. Dafür wurde das Angebot für kostenlose Tests auf fast 1000 Stationen ausgebaut. In Betrieben gibt es eine breite Testoffensive. Bis Ende Februar sollen zudem Gratistests in Apotheken im ganzen Land verfügbar sein. Dies würde vor allem der älteren Bevölkerung helfen, die weniger mobil ist, und das Angebot auf dem Land ausbauen.  Foto: dpa Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Museen können nun ebenfalls wieder besucht werden. Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen bleiben bestehen. Wann die Hotellerie und die Gastronomie wieder aufsperren darf, blieb unklar. Keinesfalls vor März, teilte die Regierung mit.

Verschärfung der österreichischen Grenzkontrollen wegen Virusmutationen

Seit Beginn der Pandemie sind in Österreich mit seinen knapp neun Millionen Einwohnern mehr als 8000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

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Aus Sorge vor der weiteren Verbreitung des Coronavirus kündigte Österreich zudem an, Grenzkontrollen zu Deutschland und den weiteren Nachbarländern ab Montag massiv zu verschärfen. So sollen alle nicht notwendigen Reisen in der Pandemie verhindert werden. "Die Grenzkontrollen dienen als Wellenbrecher für Infektionsketten, die gerade durch neue Virusmutationen immer gefährlicher werden", sagte Innenminister Karl Nehammer.

Tirol wehrt sich gegen harte Maßnahmen

Jeder Reisende muss künftig beim Grenzübertritt einen negativen Coronatest vorlegen. Ausnahmen gibt es nicht mehr. Auch sei eine zehntägige Quarantäne einzuhalten. Pendler müssen sich – wie andere Einreisende auch – nun online registrieren und einmal pro Woche einen negativen Coronatest vorzeigen. Um mögliche Grenzübertritte von Touristen zu verhindern, kündigten die Behörden zudem verstärkte Kontrollen in Skigebieten an.

Zunächst blieb unklar, ob es spezielle Maßnahmen für das Bundesland Tirol geben wird. Die Verhandlungen dazu liefen den ganzen Tag, wurden am späten Sonntagabend vertagt. In Tirol war die ansteckendere Südafrika-Variante des Coronavirus vermehrt aufgetreten. Daher forderten Wissenschaftler eine schnelle Isolierung einzelner Orte oder des ganzen Bundeslandes an der Grenze zu Deutschland, um die Verbreitung der Mutation zu unterbinden. Tirols Regierung wehrte sich aber lautstark gegen jede neue Maßnahme. Eine Entscheidung wird nun am Montag erwartet.

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