Gesundheit

Warum der Thrombose-Vergleich zwischen Astrazeneca und Antibabypille hinkt

Die Nachricht über den vorläufigen Impfstopp mit Astrazeneca kam für viele Menschen Anfang dieser Woche überraschend und sorgte auch in den sozialen Medien für ein großes Echo. Schnell kursierten Zahlen, die das Thromboserisiko der Antibabypille den vermeintlichen Risiken der Astrazeneca-Impfung gegenüberstellten. Experten halten diesen Vergleich aber nicht für sinnvoll.

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Gegenüber dem "Deutschlandfunk" sagte der Gesundheitsexperte und SPD-Politiker Karl Lauterbach, das sei kein guter Vergleich. Es handele sich um ein anderes Risiko. Die Thrombosen, die nach Einnahme der Pille auftreten können, seien in der Schwere nicht vergleichbar mit jenen, die nach den Impfungen aufgetreten seien, so Lauterbach. 

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, kritisierte den Vergleich ebenfalls im "Deutschlandfunk". Nach dem Impfstopp in Dänemark in der vergangenen Woche war zunächst von normalen Thrombosen die Rede, die üblicherweise in Bein- und Beckenvenen entstehen und auch unter Einnahme der Antibabypille häufiger beobachtet werden. Neuere Daten zeigten aber, dass nach den Impfungen eine "spezielle" und "seltene" Thromboseform beobachtet worden sei, eine sogenannte Hirnvenenthrombose, sagte Watzl. Dabei handelt es sich um ein Gerinnsel in den Venen, die Blut aus dem Gehirn abführen.

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"Als jetzt das Paul-Ehrlich-Institut die Empfehlung gegeben hat, die Impfung einzustellen, bin ich auch hellhörig geworden, weil mir klar war, dass da neue Daten vorliegen müssen", so der Experte.

Thrombose ist nicht gleich Thrombose

Am Montag hatte das Paul-Ehrlich-Insitut (PEI) mitgeteilt, dass es nach Impfungen mit dem Corona-Vakzin von Astrazeneca zu sieben Fällen von Hirnvenenthrombosen gekommen sei, bezogen auf 1,6 Millionen Impfungen. Drei Personen starben. Diese Thrombose-Form tritt in der Bevölkerung üblicherweise mit einer Inzidenz von circa zwei bis fünf Fällen pro einer Million Personen und Jahr auf. Insofern sind die beobachteten Fälle nach Impfung zwar in absoluten Zahlen gering. Angesichts der Seltenheit der Erkrankung handelt es sich aber dennoch um eine "auffällige Häufung", schreibt das PEI. Die Symptome sind unter anderem sehr starke Kopfschmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, jüngere häufiger als ältere. 

Wird im Alltag von Thrombosen gesprochen, sind dagegen meist tiefe Beinvenenthrombosen gemeint, die in den tiefen Bein- oder Beckenvenen entstehen. Diese Gerinnsel in den Venen treten vergleichsweise häufig auf und betreffen, je nach Schätzung, mindestens eine von 1000 Personen im Jahr. Beinvenenthrombosen können sich von der Gefäßwand losreißen, zur Lange wandern und dort Blutgefäße verstopfen (Lungenembolie) – eine potenziell lebensgefährliche Komplikation. Das Risiko für diese Thrombosen steigt mit dem Lebensalter, aber auch eine erbliche Vorbelastung, Rauchen, längere Flugreisen, Übergewicht und die Einnahme der Antibabypille können das Risiko erhöhen. 

Das erhöhte Thromboserisiko, das von bestimmten Generationen der Antibabypille ausgeht, ist bereits seit längerem bekannt und sorgt immer wieder für Kritik. Unter den risikoreicheren Präparaten entwickeln etwa 9 bis 12 Frauen pro 10.000 Frauen und Anwendungsjahr eine venöse Thromboembolie (VTE), kurz gesagt: ein Gerinnsel in einer Vene. Unter nichtschwangeren Nicht-Anwenderinnen gäbe es im selben Zeitraum dagegen zwei Fälle.

Früh erkannt und rechtzeitig behandelt, stehen die Chancen gut, dass der Thrombus keine schweren Komplikationen bereitet. Allerdings besteht das Risiko einer potenziell lebensbedrohlichen Lungenembolie, sobald der Thrombus in die Lunge geschwemmt wird. 

Hinzu kommt: Während das Thromboserisiko der Antibabypille bereits belegt ist, ist derzeit noch offen, ob die Impfung mit Astrazeneca tatsächlich zu den seltenen Fällen von Hirnvenenthrombosen geführt hat – oder ob lediglich ein zeitlicher Zusammenhang besteht. Am Donnerstag will sich die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erneut zum Stand der Untersuchungen melden. 

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