Gesundheit

Was es für Deutschland bedeutet, wenn Omikron auf 1,4 Milliarden Chinesen trifft

Die Omikron-Variante ist in China angekommen und fordert dort die Zero-Covid-Stratgie von Präsident Xi Jingping heraus. Nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die Wirtschaft in Deutschland könnte das zu einem großen Problem werden.

Kurz vor Weihnachten gab Christian Drosten der Süddeutschen Zeitung ein Interview. Mit Sorge blickte der Chef-Virologe der Berliner Charité auf das, was der Weltmacht China in der aufziehenden Omikron-Welle bevorstehe.

Denn der chinesische Totimpfstoff, den bereits mehr als 85 Prozent der Chinesen verabreicht bekommen haben, wirkt gegen die neue Variante deutlich schwächer. Das Virus trifft dort also auf 1,4 Milliarden Menschen mit geringem Immunschutz „und das ist eine echte Gefahr, auch für die Weltwirtschaft“, prognostizierte Drosten damals.

China reagiert auf kleine Ausbrüche mit maximaler Härte

Drei Wochen später ist die neue Virusvariante auch offiziell in China angekommen. Nach den Millionenstädten Xi'an und Yuzhou ordneten die Behörden auch für die fünf Millionen Einwohner der Metropole Anyang in der ostchinesischen Provinz Henan einen strikten Lockdown an. Es gilt eine Ausgangssperre, alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte wurden geschlossen, die Bevölkerung wird massenhaft getestet. Grund waren neun Corona-Infektionen, darunter auch Omikronfälle. Und auch in der Hafenstadt Tianjin, in der Nähe Pekings, wo in wenigen Wochen die Olympischen Winterspiele stattfinden sollen, wurden erste Omikron-Verdachtsfälle gemeldet. Shao Rui/Xinhua/AP/dpa Auf diesem von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Foto fahren Autos auf einer fast leeren Straße in Xi’an in der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi. Die knallharten Maßnahmen entsprechen dabei der Zero-Covid-Strategie, die Präsident Xi Jinping seinem Land seit nun mehr fast zwei Jahren eisern aufdrückt. Kleinste Ausbrüche werden umgehend mit maximaler Härte adressiert, mehrere Millionen Chinesen über Wochen in den Lockdown geschickt. Um Corona in den Griff zu bekommen, schreckt das autoritäre Regime vor kaum etwas zurück. Mit Erfolg. Doch ob das auch bei der neuen Variante so bleibt, ist mehr als ungewiss.

Gehen reihenweise chinesische Städte in den Lockdown, werden das auch die Unternehmen in Deutschland spüren

Die Vorstellung einer galoppierenden Omikron-Welle, die reihenweise chinesische Metropolen in den Lockdown zwingt, bereitet in Deutschland vor allem Ökonomen Sorgen. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung gaben zu Beginn der Pandemie im April 2020 knapp ein Drittel der deutschen Industrieunternehmen an, auf chinesische Vorprodukte angewiesen zu sein. Welche Probleme durch die rigide chinesische Coronapolitik für die deutsche – aber auch die Weltwirtschaft – entstehen können, zeigte sich bereits vergangenen August.

Aufgrund eines einzigen positiven Corona-Falls wurden damals an die 1000 Mitarbeiter des drittgrößten Hafens der Welt in Ningbo in Quarantäne geschickt. Die Folge: Der Frachtverkehr kam zum Erliegen. Im Vergleich zum Vormonat schrumpfte der Welthandel laut dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel damals um knapp zwei Prozent.

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Die Ausbreitung von Omikron in China hätte demnach „weitreichende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft“, meint ifo-Expertin Feodora Teti im Gespräch mit FOCUS Online. Wie schwerwiegend diese ausfallen, hänge jedoch vor allem davon ab, ob China an seiner bisherigen Zero-Covid-Strategie festhalte, sollte sich die neue Variante ähnlich rasant wie in anderen Regionen der Welt ausbreiten.

Haben die deutschen Unternehmen ihre Lieferketten bereits neu eingestellt?

Gleichzeitig hätten viele deutsche Unternehmen bereits vor der Coronakrise begonnen, das Risiko von Lieferausfällen und Verzögerungen zu verringern. Kleine und mittlere Unternehmen würden dabei vermehrt auf Lagerhaltung setzen, größere auf eine Diversifizierung ihrer Zulieferer. Wie schwer eine Omikron-Welle in China die deutschen Unternehmen treffen würde, „hängt also auch davon ab, wie vielen Unternehmen es bereits gelungen ist, ihre Lieferketten robuster aufzustellen“, meint Teti.

Sollten Frachtcontainer allerdings erneut zur teuren Mangelware werden, würden das am Ende auch die Konsumenten in Deutschland teilweise spüren. Manche Branchen wie etwa die Elektroindustrie und die Metallbranche reichen ihre gestiegenen Kosten aufgrund teurerer Rohstoffe und Vorprodukte nämlich an die Kunden weiter, wie das ifo-Institut im vergangenen Jahr festgestellt hat.

Für Chinas Präsident Xi kommt Omikron zur Unzeit

Für China und seinen Präsidenten Xi selbst kommt die deutlich ansteckendere Omikron-Variante unterdessen nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive mehr als ungelegen. Neben den Olympischen Winterspielen in gut drei Wochen steht Ende März noch der nationale Volkskongress sowie im November der 20. Parteitag der Kommunistischen Partei an. -/kyodo/dpa China, Peking: Beamte in Schutzkleidung arbeiten auf dem internationalen Flughafen.

Insbesondere der Parteitag soll für Präsident Xi eine Demonstration seiner Macht werden, steht doch zum ersten Mal nach Jahrzehnten nach zwei Regierungsperioden kein Wechsel an der Parteispitze bevor. Dafür hat der Präsident eigens die chinesische Verfassung  geändert.

China fehlt die Exit-Strategie

Eine unkontrollierbare Virusvariante würde bei der großen Inszenierung so gar nicht ins Bild passen. Seine bisher erfolgreiche Zero-Covid-Strategie verkaufte der Präsident nämlich gerade im eigenen Land gerne als Beweis für die Überlegenheit gegenüber dem verhassten Westen. Immer wieder berichteten Staatsmedien ausführlich über die mitunter chaotischen Zustände in den USA. Dass das Regime von seiner bisherigen Strategie angesichts einer möglichen Omikron-Welle abweicht, ist also mehr als unwahrscheinlich, käme das doch einem Gesichtsverlust im Kampf der Systeme gleich.

Ganz ähnliche Mechanismen greifen bei Chinas Impfproblem. Auch hier will sich der Präsident keine Blöße geben, weswegen beispielsweise der deutlich wirksamere Impfstoff von Biontech-Pfizer in China noch immer keine Zulassung erhalten hat. Gleichzeitig hat das Land seine eigenen Vakzine teils als Spenden vor allem in den globalen Süden exportiert. In der Not nun auf ausländische Produkte zu setzen, würde das Ansehen Chinas aus der Sicht Xis ebenso massiv beschädigen.

Die Entscheidung ihres Präsidenten, das Land nicht für ausländische Impfstoffe zu öffnen, könnte für viele Chinesen in einer möglichen Omikron-Welle gefährlich werden. Zwar sind die Kliniken in manchen Regionen hervorragend ausgestattet, mit Blick auf das gesamte Land gibt es laut einem Bericht der „NZZ“ jedoch nur 4,47 Intensivbetten auf 100.000 Einwohner. Im Vergleich dazu besitzt Deutschland sechsmal so viele.

Sollte die Lockdown-Politik der Regierung tatsächlich nicht mit der Omikron-Ausbreitung Schritt halten können, fehlt China ganz offensichtlich eine Exit-Strategie. Und ein Umdenken ist aufgrund der politischen Dimensionen nicht zu erwarten. Die Auswirkungen dürften hingegen nicht nur in China zu spüren sein.

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