Gesundheit

Werden Ungeimpfte in Kliniken aussortiert? Was passiert, wenn die Intensivstationen volllaufen

Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich weiter zu. Die Krankenhäuser werden voller, eine Überlastung scheint kaum noch vermeidbar zu sein. Viele fürchten, dass es zur Triage der Ungeimpften kommt. Droht dies wirklich?

Stellen sie sich ein komplett volles Fußballstadion vor. Zum Beispiel das Stadion von RB Leipzig, es fasst knapp 48.000 Zuschauer. Bei fast exakt dieser Zahl an Menschen wurde am Freitag eine Neuinfektion mit dem Coronavirus vermeldet.

Dieser Vergleich macht das Ausmaß, das die Pandemie in Deutschland erreicht hat, deutlich. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen steigt auf 263,7, zum fünften Mal in Folge ein neuer Höchstwert.

Sachsen ist dabei Spitzenreiter unter den Bundesländern mit 569 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche. Die Corona-Lage in der Bundesrepublik sei nach wie vor "sehr besorgniserregend", teilt das RKI mit.

Nur noch 11,3 Prozent der Intensivbetten sind frei

Damit steigt auch die Angst vor der Überlastung der Krankenhäuser und Intensivstationen. "Wenn sich diese Dynamik fortsetzt, können wir sehr bald nur noch Notfall- und Covid-Patienten behandeln. Das müssen wir dringend verhindern", sagt Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Marx rechne damit, dass "wieder Operationen abgesagt wie auch Pflege­personal aus anderen Bereichen abge­zogen werden müssen." Fabian Strauch/dpa/Illustration Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation.

Dennoch werde es Unterscheidungen geben müssen. "Was wir tun, jedoch auch nicht auf Basis etwaiger Impfungen, ist das sogenannte Priorisieren. Das allerdings ist Alltag", sagt Weimann weiter. "Welcher Patient benötigt die oft knappen Intensivplätze als erster? Das gelingt in normalen Zeiten ohne Nachteile für die Patienten. In Krisenzeiten aber könnte selbst eine von allen Ärzten nachvollziehbare Reihenfolge der Krankenfälle dazu führen, dass einige Patienten trotz ihres Leidens erst später dran sind. Hoffen wir, dass uns das erspart bleibt."

Notärzte finden oft nur noch schwer Plätze auf Intensivstationen

Ähnlich äußert sich Stefan John, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin. "Wir sind sicherlich nicht in einer Triage-Situation, dass wir uns entscheiden müssten, wen wir noch behandeln und wen nicht", sagt der Nürnberger Intensivmediziner.

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Man sei dennoch bereits "in einer massiven Überlastungssituation, so dass viele Patienten verlegt werden müssen, dass viele vielleicht nicht ganz so schnell behandelt werden können wie es normalerweise der Fall ist. Für die Notärzte ist es oft sehr, sehr schwer überhaupt einen Platz auf einer Intensivstation zu finden. Sie müssen viel rumtelefonieren, vielleicht auch längere Strecken fahren, weil sie in ein anderes Haus umgeleitet werden. Und bei einem Herzinfarkt zum Beispiel kann jede Zeitverzögerung Leben kosten."

Drei Maßnahmen könnten noch das Schlimmste verhindern

Mit welchen Maßnahmen kann eine Überlastung noch verhindert oder zumindest begrenzt werden? Der Marburger Bund fordert, dass Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht in Innenräumen vorerst beibehalten werden müssten und Veranstaltungen generell nur unter den Bedingungen der 2G-Regel stattfinden sollten.

Verstärkte Impfmaßnahmen (sowohl Erstimpfungen, als auch Booster-Impfungen) seien zudem unabdingbar. "Mehr als 18 Monate Ausnahmesituation haben deutliche Spuren hinterlassen. Auch Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte können durch Überlastung krank werden", mahnen die Delegierten.

Das RKI rät zudem "dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren".

Nach derzeitiger Hochrechnung könnte eine flächendeckende Überfüllung der Intensivstationen in knapp einem Monat erfolgen.

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