Gesundheit

Zehn Jahre nach Kunstfehler: Klinik muss behindertem Mädchen 1,2 Millionen zahlen

Ein Behandlungsfehler im Jahr 2008 ließ ein kleines Baby in einem Paderborner Klinikum schwerstbehindert zurück. Mehr als ein Jahrzehnt später hat die Familie des Mädchens nun einen juristischen Sieg errungen: Die Versicherung des Krankenhauses muss Schadensersatz in Millionenhöhe zahlen.

Insgesamt muss die Versicherung 1,2 Millionen Euro Schadensersatz an die Familie des Mädchens entrichten, legte das Landgericht Paderborn fest. Die Summe lag damit sogar höher als von den Klägern gefordert. Der Grund: Bereits seit einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes Hamm im Jahr 2019 sei klar gewesen, dass die Versicherung irgendwann zahlen müsse. Dennoch habe sie eine Abschlagszahlung verweigert.

Das Mädchen war 2008 als Frühchen im Paderborner St.-Vincenz-Krankenhaus zur Welt gekommen. Die Ärzte hatten zwar kurz nach der Geburt eine Verengung der Herzschlagader entdeckt, sie aber nicht weiter behandelt. Mehrere Gutachter kamen im Laufe des Gerichtsverfahrens zu dem Schluss, dass die Ärzte unbedingt einen Kardiologen oder eine Kardiologin hätten hinzuziehen müssen.

„Ein langer, harter Kampf“

Die Folge: Wenige Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hatte das kleine Mädchen einen Herzstillstand erlitten. Das Baby war reanimiert worden und überlebte, hatte aber einen schweren Hirnschaden davongetragen. Seitdem ist das Kind rund um die Uhr auf körperliche Pflege angewiesen. Nachdem eine außergerichtliche Einigung mit dem Krankenhaus gescheitert war, zog die Familie im Jahr 2012 vor Gericht, der Fall ging durch verschiedene Instanzen. In der Zwischenzeit musste die Familie die Pflegekosten ihrer Tochter aus eigener Tasche bezahlen.

„Es war ein langer, harter Kampf, der jetzt hoffentlich zu Ende ist“, sagte der Fachanwalt Nikolaos Penteridis, der die Familie vertritt, am Dienstag der „Neuen Westfälischen Zeitung“. „Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Ich kann daher nicht ausschließen, dass es noch weiter geht.“

Die Klinikleitung erklärte in einer Stellungnahme, sie bedauere, dass sich die Rechtsstreitigkeiten so lange hingezogen haben. Das Schicksal des Mädchens gehe auch den Mitarbeitern des Krankenhauses nahe. Allerdings seien Kliniken in solchen Fällen versichert – was auch zur Folge habe, dass dann die Versicherung die Federführung in der Gerichtsverhandlung übernehme und das Krankenhaus nichts ausrichten könne. Das Klinikum gehe aber nicht davon aus, dass der Versicherer weitere rechtliche Schritte einleiten werde.

Es wäre das Ende eines 13 Jahre langen Kampfes.

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