Persönliche Gesundheit

Luftverpestung immer schlimmer: 1100 Tote in Deutschland jährlich durch Atomausstieg

Milliarden kostet der Ausstieg aus der Atomenergie. Wie viel genau, haben drei US-Wissenschaftler berechnet. Ihre Analyse zeigt auch: Der Ausstoß von Schwefeldioxid, Stickoxid und Feinstaub ist stark gestiegen, was sich auf die Gesundheit auswirkt.

So positiv der Atomausstieg von Vielen wahrgenommen wird, so schlecht ist er für unsere Gesundheit. Das jedenfalls schreiben drei US-Forscher. Sie berechneten in einer umfangreichen Datenanalyse, wie die Situation in Deutschland ohne ihn ausgesehen hätte. Kostenpunkt für den Atomausstieg seien zwölf Milliarden Dollar (Wert 2017) pro Jahr.

Zu ihren Erkenntnissen veröffentlichten Akshaya Jha (Carnegie Mellon University, Pittsburgh), Stephen Jarvis (University of California, Berkeley) und Olivier Deschenes (University of California, Santa Barbara) ein Arbeitspapier (nicht peer-reviewed) beim renommierten National Bureau of Economic Research.

Anhand ihrer Berechnungen lautet ihre drastische Aussage zu Deutschland: „Der Atomausstieg hat durch höhere Konzentrationen von SO2, NOx und Feinstaub zu mehr als 1100 zusätzlichen Todesfällen pro Jahr geführt.“ Verantwortlich dafür sei hauptsächlich die Stromproduktion durch Steinkohlekraftwerke, nämlich zu etwa 80 Prozent. Ihre Zahlen basieren auf Studien und daraus abgeleiteten Modellrechnungen. Eine Prognose dazu, wie die Entwicklung aussähe, wenn der weitere Umstieg von Kohle und anderen fossilen Energiequellen zu erneuerbaren Technologien erfolgt, ist nicht Teil der Untersuchung.

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Tatsächlich beeinträchtigen die Luftschadstoffe die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht weltweit von 4,2 Millionen Toten durch die Luftverschmutzung aus. Wer dieser regelmäßig ausgesetzt ist, für den steigt das Risiko für Schlaganfall, Herzkrankheiten, Lungenkrebs sowie chronische und akute Atemwegserkrankungen wie Asthma.

So wirken sich die einzelnen Stoffe konkret aus:

1. Schwefeldioxid SO2

Schwefeldioxid in der Umwelt

Schwefeldioxid (SO2) ist ein Gas: farblos, stechend riechend, wasserlöslich. Es kann Menschen und der Umwelt schaden. Die Experten des Umweltbundesamts ergänzen: „In der Atmosphäre aus Schwefeldioxid entstehende Sulfatpartikel tragen zudem zur Belastung mit Feinstaub (PM10) bei.“

So gelangt Schwefeldioxid in den Körper

Das Gas entsteht, wenn fossile Energieträger wie Kohle und Öl verbrennen und der im Brennstoff enthaltene Schwefel oxidiert. Über die Atemwege und Schleimhäute nimmt der Mensch Schwefeldioxid auf.

Die gesundheitlichen Folgen von Schwefeldioxid

Das Umweltbundesamt warnt davor, dass Schwefeldioxid, die Schleimhäute angreift, was zu Augenreizungen und Atemwegsproblemen führen kann. Doch die SO2-Konzentration lägen bundesweit sehr deutlich unter den geltenden Grenzwerten. So seien „durch SO2 verursachte Gesundheitsprobleme in Deutschland nicht mehr zu befürchten“, schreiben die Experten.

2. Stickoxide NOx

Stickoxide in der Umwelt

„Stickoxide“ ist ein Sammelbegriff für Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2), zwei giftige Gase. Sie gelangen vor allem durch Verbrennungsprozesse in die Umwelt, etwa in einem Kraftwerk, in den Motoren von Fahrzeugen oder zuhause beim Heizen mit einem Kamin. Auch Kerzen, Gasherde, Ölöfen und Zigaretten stoßen Stickoxide aus.

So gelangt Stickoxid in den Körper

Stickstoffdioxid reizt die Augen und gelangt über Mund und Nase in den Körper. Dort greift es zunächst die Schleimhäute der Atemorgane an und dringt dann tief in den Atemtrakt ein, wo es Zellschäden im Lungengewebe und entzündliche Prozesse verursachen und die Bronchien reizen kann, warnt das Umweltbundesamt.

Stickstoffmonoxid stört dagegen weniger das Lungengewebe als die Gefäße. Es wird mit dem Blut im Körper verteilt und kann die Blutgefäßspannung beeinflussen. Mögliche Folgen sind Infarkte und Schlaganfälle. Da der Körper auch selbst Stickstoffmonoxid als Botenstoff bildet, können von außen zugeführte Mengen die natürlichen NO-Prozesse im Körper stören.

Die gesundheitlichen Folgen von Stickoxid

Das Umweltbundesamt warnt vor vielfältigen gesundheitlichen Folgen, etwa

  • Atemnot
  • Husten
  • Bronchitis
  • Lungenödem
  • steigende Anfälligkeit für Atemwegsinfekte und Allergien
  • Lungenfunktionsminderung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle
  • höhere Sterblichkeit

Gefährdet seien besonders Menschen, die bereits geschädigte Atemwege haben. Europaweit wurde für Stickstoffdioxid ein Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt, doch schon geringste Mengen sind laut der Umweltbehörde bedenklich: „Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass es für NO2 keinen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen gesundheitliche Auswirkungen ausgeschlossen werden können. Somit muss auch bei niedrigen NO2-Werten von negativen Auswirkungen auf die Gesundheit ausgegangen werden.“

Mittelbar wirkt sich Stickstoffdioxid auf die Gesundheit aus, weil es eine Vorläufersubstanz für Feinstaub ist.

3. Feinstaub

Feinstaub in der Umwelt

Feinstaub ist praktisch überall: Er gelangt aus den Motoren von Autos in die Luft, durch den Abrieb von Bremsen und Reifen und strömt etwa aus Kraftwerken, die Metall und Stahl erzeugen. In Innenräumen erhöhen Kerzen, Holzöfen, Kamine, Laserdrucker oder Toaster die Feinstaubbelastung

Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Neue Methode kurbelt das Gehirn an

FOCUS Online/Wochit Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Neue Methode kurbelt das Gehirn an . Auch Zigaretten erzeugen den mikroskopisch kleinen Staub.

So gelangt Feinstaub in den Körper

Feinstaub ist so klein, dass ihn die natürlichen Schmutzfilter des Körpers, wie Schleimhäute und Flimmerhärchen, nicht aufhalten können. Atmen wir ihn ein, gelangt er je nach Größe an unterschiedliche Stellen im Körper. Bei einem sogenannten aerodynamischen Durchmesser von zehn Mikrometern (PM10) kann Feinstaub in die Bronchien eindringen.

Kleinere Partikel unter 2,5 Mikrometern (PM2,5) können bis in die Lungenbläschen und Bronchiolen vordringen. Bronchiolen sind die feinsten Endverzweigungen in den Lungen. Ist sein Durchmesser geringer als 0,1 Mikrometer, kann Feinstaub sogar in das Lungengewebe und den Blutkreislauf gelangen.

Die gesundheitlichen Folgen von Feinstaub

Je nachdem, wie groß die Partikel sind und in welchem Bereich des Körpers sie landen, können sie unterschiedliche gesundheitliche Folgen haben. Möglicherweise spielt auch die Quelle eine Rolle – so könnte beispielsweise Feinstaub aus Automotoren anders auf den Körper wirken als Feinstaub aus Kohlekraftwerken.

Generell schätzen Experten, dass in Deutschland von 2007 bis 2015 jedes Jahr durchschnittlich 44.900 Menschen vorzeitig gestorben sind, weil sie Feinstaub ausgesetzt waren. Das berichtet das Umweltbundesamt. Das bestätigt auch die Weltgesundheitsorganisation: „Es besteht ein enger quantitativer Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber hohen Konzentrationen von kleinen Partikeln (PM10 und PM2,5) und einer erhöhten Mortalität oder Morbidität“, heißt es in einer Mitteilung. „Umgekehrt sinkt auch die Sterblichkeit, wenn die Konzentrationen von feinen Partikeln reduziert werden – vorausgesetzt, andere Einflussfaktoren bleiben unverändert.“

  • Herzkrankheiten: Eine europaweite Untersuchung des Helmholtz Instituts für Epidemiologie kam 2015 zu dem Schluss: Wer über lange Zeit Feinstaub ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit, also eine Erkrankung der Herzkranzgefäße. Damit steigt unter anderem die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden. Das Institut hatte im selben Jahr auch die Feinstaubbelastung speziell in Augsburg untersucht. Dabei zeigte sich bereits bei einer kurzfristigen PM10-Konzentration ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte.
  • Infektionen der unteren Atemwege: Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, besteht ein Zusammenhang zwischen Feinstaub aus offenem Feuer oder traditionellen Kochstellen und einer Infektion der unteren Atemwege. Das habe sich vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen gezeigt.
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und Lungenkrebs: Auch ein Zusammenhang zwischen den kleinen Partikeln und ernsten Lungenerkrankungen wie Krebs besteht laut der WHO. Davon ist auch die American Lung Association überzeugt.

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